• vom 31.05.2018, 15:34 Uhr

Glossen


EU-Plastikstrategie

Und wer denkt an die armen Fische des Waldes (an die Vogerln)?




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Dabei müssten wir gar keine Bäume fällen, damit die Meeresfische nicht an Plastik-Strohhalmen ersticken. Nur Nudeln kaufen.



Die EU-Kommission hat also eine Plastikstrategie. No na. Sonst hätte ich mir in meiner Verzweiflung doch wohl kaum einen gedreht. Einen Joint? Um den Schmerz wegzukiffen, weil ich den Verlust des Plastiksackerls noch immer nicht verwunden habe? Nein, einen Trinkhalm! (Das sollte jedenfalls einer sein.) In Zukunft müssen wir uns den ja anscheinend selber aus einem Blattl Papier wuzeln. Und da hab ich halt schon einmal geübt. (Nicht, dass ich das Cola nicht auch mit bloßen Lippen aus dem Glasl rausgekriegt hätte.)

Die Plastik-Strohröhrln sind ja echt ein Problem. Für die Ozeane. Wenn ein Fisch so eins verschluckt, kann er locker dran ersticken. Es ist eben viel umweltfreundlicher, einen uralten Baum zu fällen, ihn zu Papier zu verarbeiten und dieses nach wenigen Minuten in den Restmüll zu schmeißen (weil es fürs Altpapier und fürs Recycling bereits zu angetrenzt ist). Seh ich ein. Aber nicht, wieso das Wegwerfplastik auch bei uns verboten wird. Unser Plastik bringt sicher keine Meerestiere um. Höchstens unser Käpt’n Iglo. Österreich liegt an keinem Meer, oder? (Wir müssen das Plastik zumindest seeeeehr weit weg werfen.) Na ja, ein Strohhalm in einem Glas am Ufer der Donau, der von einer Böe erfasst und ins Wasser geschleudert wird, könnte durchaus bis ins Schwarze Meer treiben. Keine Angst, niemand, der im Strohröhrl-Wuzeln unbegabt ist, wird jetzt verdursten. Außerdem hab ich beim Meinl am Graben Ersatz gefunden. Den kann man sogar an die Fische verfüttern. Baumschonende Strohhalme auf Hartweizengrießbasis. Okay, empfindliche Personen könnten davon Durchfall bekommen, Blähungen, einen juckenden Ausschlag und Haarausfall. Unter anderem. Die "Ziti" von Barilla (ja, Nudeln, laaange, dicke, hohle), die sind nämlich nicht glutenfrei. Achtung: Nicht vorher kochen! Auch wenn’s auf der Packung draufsteht ("cottura 10 minuti" - cottura: Kochen). Und schon gar nicht "dieci minuti". Denn ich hab die Dinger gründlich getestet.


Nach einer Stunde im (zimmerwarmen) Cola waren sie ziemlich aufgeweicht. Haben aber trotzdem noch funktioniert. Gut, das Cola hat einen komischen Geschmack gehabt, doch man tut das ja nicht für sich selber, nein, das ist alles für die Fisch’. Und nachher landet wieder ein Lebensmittel mehr im Müll? (Während in Afrika die Kinder verhungern?) I wo. Die Hartweizengrieß-Halme sind biologisch gänzlich abbaubar. Ach, man lässt sie diskret auf den Boden fallen und die Tauben erledigen den Rest? Röhrln auf Weizenmehl-, Magermilchpulver- und Eigelbpulverbasis (Hohlhippen) schmecken vielleicht besser, nicht ohne Grund soll man sie freilich "trocken lagern". Den Grund kenne ich inzwischen persönlich.

Und die Wattestäbchen? Was nehm ich statt denen? Einen Finger? (Mit dem kann ich ebenfalls die Fische füttern: die Piranhas.) Oder nix. Ich hab sowieso nie gewusst, was ich mit ihnen anstellen soll. Den Bauchnabel polieren? In den Ohrlis soll man damit ja nicht rumstochern. Und warum haben sie dann zwei Enden? Wurscht. Die Enden sind eh nicht das Thema. Die bleiben ohnedies erlaubt. Alle beide. Und fürs Staberl dazwischen hacken wir einfach ein paar Bäume um, basta. (Und wer denkt an die armen obdachlosen Vogerln?) Bis uns die EU irgendwann das Holz verbieten wird. Wegen dem Waldsterben. Infolge der Plastikstrategie.




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Dokument erstellt am 2018-05-31 15:40:09


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