• vom 15.06.2018, 16:57 Uhr

Glossen

Update: 22.06.2018, 11:13 Uhr

Glossenhauer

Es gibt nichts, was es nicht gibt




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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Die Fußball-WM ist in Russland. Da ist alles noch so, wie es nie war.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Endlich ist sie da: die Fußball-WM. Und es ist nicht irgendeine. Es ist die schönste WM aller Zeiten. Warum? Weil sie in Russland ist. Da ist endlich alles noch so, wie es nie war. Da gibt es etwa keine Homosexuellen. Natürlich nicht unter den Fußballern, nein, die sind zu 300 Prozent hetero, außer wenn sie einen Ball sehen, da juckt sie plötzlich unkontrollierbar der Fuß. Und auch sonst nicht. Denn es gibt in Russland keine Homosexuellen. Da können sie alle fragen. Auch die Schwulen, die sich heimlich auf dunklen Toiletten treffen, weil sie nicht von Hooligans niedergestiefelt, angezündet oder umgebracht werden wollen. Die werden ihnen versichern, dass sie keine Homosexuellen kennen. Ganz bestimmt nicht.

Hooligans gibt es im Übrigen auch nicht. Und wenn, nur ganz, ganz liebe Streichelhools, die ihre Baseballschläger nur mit sich herumschleppen, um sich damit gegenseitig die Ohren zu putzen. Denn die haben alle riesige Ohren. Deswegen hören sie auch immer so gut zu. Das sind richtige Empathiekrawallos.


Was es auch nicht gibt, ist Doping. Im ganzen Fußball nicht. Noch nie. Die haben alle nur gute Gene. Manche eigene, manche ein paar fremde dazu. Und in Russland weiß man gar nicht, was das sein soll. Doping? Die reden ja kein Englisch.

Und weil die Fifa diese WM ausrichtet, gibt es auch keine Bestechung. Da schaut die Fifa drauf, so gut sie kann. Und dass sie auf diesem Auge blind ist, dafür kann sie ja nichts. Aber das macht nichts, weil Bestechung in Russland selbst überhaupt nicht existiert. Nein, die tanzen den ganzen Tag im Wodkarausch auf Gaspipelines und sind gut russisch-bärig drauf. Und warum? Weil es ihnen so gut geht. Hat man ja auch wieder beim Bau der Stadien gesehen. Da wurden alle Arbeiter total fair entlohnt. Und pünktlich. Vor allem die aus dem Nordkaukasus. Die bekommen nämlich Extrageld, damit sie sich auf der Straße anpöbeln lassen dürfen. Was aber nur Spaß ist. Denn auch Rassismus ist in Russland völlig unbekannt.

Auch Menschenrechte gibt es nicht. Brauchen die nicht, die haben Wladimir Putin. Der hat alle Rechte. Obwohl: Auch Putin gibt es nicht. Den hat sich nur Russia Today zusammen mit der CIA und der Sendung mit der Maus ausgedacht. Selbst das russische Fernsehen ist nur eine Erfindung. Wirklich! Das hat mir ein Bot aus der Petersburger Trollfabrik erzählt. Und diese Trollfabrik gibt es natürlich auch nicht. Denn so etwas macht der russische Staat nicht. Und hat er noch nie gemacht. Da können Sie den Oberst Redl fragen. Der gibt Auskunft. Gegen Geld.

Wahrscheinlich heißt das aber, dass es nicht einmal diese WM gibt. Das zeigt ein Videobeweis ganz deutlich. Wenn man Bannerwerbung schaltet, zeigt er auch gerne das Gegenteil.

Die ganze Welt ist nur eine Illusion. Ein einziges absurdes Theater. Und das Einzige, was es wirklich gibt, ist Geld. Das ist aber langweilig. Schießt keine Tore, sondern rottet sich nur in Steuerparadiesen zusammen. Die spielen aber bei der WM nicht mit. Insofern muss man sich das ganze Spektakel gar nicht anschauen. Robbie Williams hat ja schon bei der Eröffnungsfeier gezeigt, wie man mit dieser WM korrekt umzugehen hat. Einfach den Mittelfinger zeigen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-15 17:04:28
Letzte Änderung am 2018-06-22 11:13:30


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