• vom 11.07.2018, 15:34 Uhr

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Update: 11.07.2018, 15:58 Uhr

Maschinenraum

Abschied von der Opel-Gang




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Von Walter Gröbchen

  • Maschinenraum
  • Es ist eventuell nur eine personelle Marginalie im radikalen Umbau der Autoindustrie weltweit - aber sie hat Symbolcharakter.



Es gibt wohl keinen Job im weiten Umkreis, um den ich die Ausübenden im Augenblick weniger beneide als den des Pressesprechers eines deutschen Autoherstellers. Fast täglich kann man sich bohrenden Fragen nach neuesten Skandalen, Untersuchungen, Verhaftungen stellen. Muss Spott und Hohn ertragen, weil die Top-Manager der Konzerne sich nicht und nicht zu einer wahrheitsgemäßen Darstellung ihrer betrügerischen Schlaumeiereien bequemen. Und gilt eventuell obendrein noch als Zirkusreiter auf einem toten Pferd, weil man ja im Tagesgeschäft weiterhin wenig zukunftsweisende Diesel- und Benzindroschken lobpreisen muss. Im Fall des Falles jenes Mannes, den ich heute vor den Vorhang bitten will, darf man immerhin den Verdacht der Abgasmanipulation hintanstellen. Denn Opel, viele Jahrzehnte lang eine der Top-Marken der europäischen Autoindustrie (auch wenn sie General Motors gehörte), ist diesbezüglich nicht auffällig geworden. Bislang, werden jetzt Zyniker sagen, die jeden Autohersteller unter Generalverdacht stellen. Andererseits: Es gilt die Unschuldsvermutung - und Pressesprecher können auch nur die Infos weitergeben, die ihnen ihre Werksingenieure zukommen lassen.

Der Sorgenkatalog von Josef "Ulli" Ulrich - das ist der gute Mann, den ich heute explizit erwähnen will - notiert als zusätzliche Erschwernis aber seit dem Vorjahr den radikalen Umbau seines Arbeitgebers. Opel, seit 1898 als Fahrzeughersteller tätig, wurde an die französische Groupe PSA - Citroën und Peugeot - verkauft. Seitdem spielt es Rambazamba. Das Management wird erneuert, Altgediente dürfen gehen. Das traditionsreiche Entwicklungszentrum in Rüsselsheim steht zur Diskussion. Und freilich macht man sich auch in der Filiale in Wien-Aspern akut einen schweren Kopf, was die Zukunft betrifft. "Das Einzige, was Mitarbeiter schützt, ist Gewinn", erklärte der PSA-Chef Carlos Tavares bereits vor einem Jahr. Ob die Rolle, die man der Marke Opel perspektivisch zudenkt - die des Innovators im Sektor der E-Mobilität -, die alte Tante nicht überfordert, wird sich weisen. Jedenfalls nehmen jetzt schon manche den Hut.


Auch Josef Ulrich, der Opel-Kommunikationsexperte in Wien. Seine stoische Miene, unterstrichen von einer fast schon uniformhaften Vorliebe für Schwarz als Kleidungsfarbe, wird fehlen. Und sein Markenzeichen, eine Baskenmütze (natürlich auch schwarz), soll nicht als Sympathieerklärung an die neuen Eigentümer missverstanden werden - er trägt sie schon seit Zeiten, als er noch den General Motors-Granden in Detroit Besuche abstattete. Erst neulich hat er mich zu SUV-Testfahrten in die Opel Arena in Mainz eingeladen - aber ich habe den Ausflug geschwänzt und einen Kollegen hingeschickt.

Das tut mir jetzt leid. Denn Josef Ulrich, der Elder Statesman der Branche, hat seine Pensionierung eingereicht. Obwohl er dafür im Kopf und im Herzen eigentlich viel zu jung ist. Sagen wir mal so: Einen Fuchs wie ihn könnten VW, Audi, BMW, Mercedes & Co. gerade dringend brauchen. Vom US-Konkurrenten Tesla, aktuell von noch ärgeren Kalamitäten gebeutelt, ganz zu schweigen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-11 15:40:57
Letzte Änderung am 2018-07-11 15:58:54


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