• vom 12.07.2018, 16:32 Uhr

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Update: 12.07.2018, 16:40 Uhr

Heimat

Wo samma daham?




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Manchmal muss man die Leute einfach daran erinnern, dass sie sich in Österreich befinden. Obwohl sie eigentlich eh ganz woanders sind.



Die Quantenphysiker haben also doch recht. Ein Teilchen kann sehr wohl an zwei Orten gleichzeitig sein. Ich hab’s live gesehen. In der U 4. Und dort hab ich dieses Phänomen nicht bloß an einem einzigen Teilchen beobachten können, das waren locker . . . keine Ahnung. Aus wie vielen besteht denn so ein menschlicher Körper? (Und das dann halt mal zwei.)

Zwei Frauen, jede mit Kinderwagerl, in saudi-arabischer Fankleidung. Aber sind die Saudis nicht schon in der Gruppenphase ausgeschieden? Wieso sollte jetzt, wo es ziemlich unwahrscheinlich geworden ist, dass die noch den Einzug ins Finale schaffen werden, noch immer jemand zu denen halten? (Inzwischen ist es sogar noch unwahrscheinlicher. Seit Frankreich und Ottakring die Semifinalspiele gewonnen haben.) Ich hab eh das andere Fan-Gwandl gemeint. Von Fußball hab ich nämlich null Ahnung. Einmal hab ich zufällig in ein WM-Match reingezappt: "Wos? Rapid spüd a bei da WM mit?" Noch dazu gegen Deutschland. Da musste ich natürlich mit den Grün-Weißen mitfiebern. Oh, Saudi-Arabien gegen Ägypten. Wurscht. Ich war trotzdem stolz auf unsere Hütteldorfer. Wie sie die Deutschen fertiggemacht haben. (2:1!) Und was haben nun die beiden weiblichen Saudi-Fans angehabt? Eine Abaja (dieses bodenlange Überkleid). Und ein Kopftüchl. Statt dem Ninja, Tschuldigung: Nikab (das ist diese Textilie vor der Physiognomie), haben die zwei, die in Wien mit der U-Bahn gefahren sind, während sie sich zur selben Zeit in Saudi-Arabien aufgehalten haben, freilich einen Mundschutz getragen. Und genau deshalb gibt’s das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz und nicht lediglich ein Nikab- und Burka-Verbot. Hat aber offenbar keine abschreckende Wirkung. Na ja, wie soll man jemandem begreiflich machen, dass er in einem Land, das sich die Toleranz sogar patentieren hat lassen (oder ist das Toleranzpatent bereits abgelaufen?), weniger Wahlfreiheit hat als in einem islamischen Machostaat? In Saudi-Arabien hat jedenfalls keiner ein Problem mit dem Gesichtsvorhang. Er ist allerdings nicht Pflicht. Und bei uns sind die Frauen gleichberechtigt und müssen wie die Männer alles herzeigen. Quasi. He, die hätten gar nicht U-Bahn fahren müssen. Weil neuerdings dürfen sie nicht mehr nur Kinderwagerln lenken. Auch Fahrzeuge für Erwachsene. (Autos.) Hat ihnen das niemand mitgeteilt?


Ach, vielleicht hatten sie gesundheitliche Gründe für den Mundschutz (Mundgeruch). Oder berufliche. (Zwei Chirurginnen in Bereitschaft.) Sonst wäre ich echt sauer. Wegen denen hab ich im Winter immerhin frieren müssen. Mich nimmer in meinen Schal einmummen dürfen. Damit in Österreich keine Frau mehr freiwillig so rumlaufen muss wie die. Hm. Hätt’ ich nicht ein bissl Zivilcourage zeigen und was sagen sollen? Zum Beispiel: "Machen Sie sofort das Gesicht frei! Sie sind in Österreich! Halten Sie sich an die Gesetze!" Wozu? Hätten mich sowieso nicht gehört. Die waren ja überhaupt nicht in Österreich. (Und was die im Ausland treiben, ist nicht mein Bier.) Wie diese Randalierer letzten Samstag. (Bei uns ist man rot-weiß gestreift, nicht kariert, gell?) Nach dem Sieg der Kroaten über Russland. (Die waren im Krieg?) Die haben die Aufforderung der Polizei, die Ottakringer Straße zu räumen, doch nicht absichtlich ignoriert. Die waren einfach zu weit weg. Die waren auf dem Balkan. Daheim in Kroatien.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-12 16:37:54
Letzte Änderung am 2018-07-12 16:40:55


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