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Update: 18.07.2018, 14:38 Uhr

Sedlaczek am Mittwoch

Okay, okay, okay . . .




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Warum ein Modewort aus der Jugendsprache bei den Erwachsenen angekommen ist und welche Rolle Google dabei spielt.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


Schon einmal habe ich an dieser Stelle über das Wort "okay" geschrieben. Damals, vor fünf Jahren, erschien es mir als Modewort der Jugendsprache, das sich allmählich in der Alltagskommunikation der Erwachsenen festsetzt. Heute bin ich der Ansicht, dass "okay" bei den Erwachsenen angekommen ist.

Ich meine nicht die ursprüngliche Bedeutung, nämlich "passt schon". Das Wort "okay" dient auch als Partikel - mit diesem Fachausdruck bezeichnet man in der Physik ein sehr kleines Teilchen von einem Stoff, in der Sprachwissenschaft ein unflektierbares Wort, das eine Aussage modifiziert oder kommentiert. Früher hat man diese kleinen Spracheinheiten als Füllsel abgetan, in der neueren Sprachwissenschaft werden sie analysiert und katalogisiert.


Die Partikel "okay" hat viele Schattierungen. Sie kann zögernde Zustimmung ausdrücken: "Wir gehen morgen ins Theater, kommst du mit?" - "Okay, was wird gespielt?" Man könnte das Wort in diesem Fall durch "na gut, vielleicht" ersetzen. Außerdem kann die Partikel auch Nachdenklichkeit signalisieren: "Okay, ich weiß nicht." Bei "okay" entscheidet häufig die Intonation über die Bedeutung, ansteigender Tonfall bedeutet Skepsis. Ein dreifaches Okay heißt übrigens: Lass‘ mich in Ruh‘!

Am häufigsten wird "okay" in einem Dialog verwendet. Jemand erzählt etwas, der Gesprächspartner bringt mit "okay" zum Ausdruck, dass er ihm zuhört. In diesem Fall hat "okay" die Bedeutung "ich verstehe". Wir brauchen nämlich ein Feedback, wenn wir reden. Bleibt der Gesprächspartner stumm, fragen wir uns: "Hört der überhaupt zu?" In solchen Fällen leisten Partikel Abhilfe, sie spielen also eine wichtige Rolle in der Kommunikation.

Trotzdem bin ich nach wie vor kein Fan von "okay". Aber in meinem Bekanntenkreis gibt es einige, die dieses Modewort permanent verwenden. Danielle beispielsweise. Sie hat sich lange dagegen gewehrt. Aber dann hat ihre Tochter das Wort "okay" so oft verwendet, bis sie es sich auch zu eigen gemacht hat. Wenn ich ihr etwas erzähle, höre ich fortwährend "Okay . . ." "Okay . . ."

Wer allerdings nur mehr "okay" in seinem Repertoire hat, läuft Gefahr, sprachlich zu verarmen. Was gäbe es nicht alles an Alternativen! Mhm, aha, na ja . . .

Der Anlass für diese Kolumne war übrigens nicht Danielle, sondern Google. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, verwende ich gerne zur Navigation das auf meinem Smartphone installierte Programm Google Maps. Vor kurzem dürfte Google meinem Gerät ein Update verpasst haben, denn die weibliche Computerstimme sagt plötzlich "okay".

Ich habe versucht herauszufinden, wann sie mir mit "okay" kommt. Sie tut es immer dann, wenn ich ihren Vorschlägen nicht Folge leiste und eine andere Route wähle: "Okay . . . Fahren Sie weiter auf der B 1 . . ." Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber nach meinem Gefühl sagt sie es in einem wehleidigen Ton. Es klingt wie: "Na gut, wenn es sein muss . . . Dann soll dieser Idiot halt einen anderen Weg nehmen. Er wird schon sehen, wo er hinkommt." Hier haben wir es offensichtlich mit der eingangs erwähnten zögernden Zustimmung zu tun. Aber anschließend weist sie mir doch wieder freundlich und bestimmend den Weg.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-17 16:26:08
Letzte Änderung am 2018-07-18 14:38:07


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