• vom 25.07.2018, 15:55 Uhr

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Update: 26.07.2018, 12:59 Uhr

Maschinenraum

Blaulicht am Salzburgring




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Von Walter Gröbchen

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  • Die Schnittmenge zwischen Super-Sportwagen für die Rennstrecke und dem Alltag von Polizisten wird von "Marketing-Experten" entdeckt.



Difficile est satiram non scribere. Wie schon die alten Lateiner wussten: Es fällt schwer, keine Satire zu schreiben. In diesem Fall erst recht. Aber mir ist nicht zum Lachen zumute. Denn was sich die uns Regierenden alles so einfallen lassen, um ihre Wähler - zu denen ich offensichtlich nicht zähle - bei Laune zu halten, ist weithin von trauriger Gestalt. Und nicht selten nicht einmal einem raffinierten Kalkül entsprungen, sondern persönlicher Eitelkeit. Auch wenn uns die Propaganda der Pressestellen anderes weismachen möchte.

Am Wochenende erreichte uns etwa die Mitteilung, dass der oberösterreichische Fahrzeugbauer KTM sein erstes Polizeifahrzeug an die Behörden übergeben habe. Ah, denkt man spontan, neue Zweiräder für die "Weißen Mäuse"! Denn dafür ist KTM weltweit bekannt: für schnittige, schnelle, zumeist geländegängige Motorräder. Weit gefehlt. Auf dem Pressefoto zum PR-Text lachen uns Geschäftsführer Trunkenpoltz und Innenministeriums-Generalsekretär Goldgruber entgegen, letzterer ausnahmsweise nicht in extra entworfener Polizei-Galauniform. Daneben ein kurioses Fahrzeug, das ich einmal als Mittelding aus Rasentraktor, Formel Eins-Geschoß und "Mad Max"-Streitwagen beschrieben habe - ein "X-Bow". Es handelt sich um ein Kleinserien-Rennauto, das kaum je auf öffentlichen Straßen gesichtet wird. Man würde beim Blick in den Rückspiegel auch erstarren, wenn dieses Vehikel auf der Autobahn auftaucht - zumal mit Blaulicht und offiziöser Kriegsbemalung.


Aber dort, auf der Autobahn, wird derlei nicht gebraucht. Nicht einmal auf den 140 km/h-Testfestreststrecken des Verkehrsministers Hofer. In den engen Gassen von Wien, Graz, Linz oder Salzburg erst recht nicht. Egal: sowohl Trunkenpoltz wie auch Goldgruber wollen "revolutionär" neue Wege einschlagen, einerseits im Rennwagen-Marketing (Zielgruppe Revierinspektor ab Gehaltsstufe 4?), andererseits in der Rekrutierung neuen Personals. "Um die Besten der Besten auf den Polizeiberuf aufmerksam zu machen", wie Goldgruber in der APA OTS-Aussendung wörtlich verkündete.

Meint der Mann das ernst? Jeder Jugendliche, der halbwegs seine Sinne beisammen hat, weiß instinktiv, dass der harte Polizei-Alltag nichts mit solchen Fantasie-Fahrzeugparaden zu tun hat. Und zwar nicht das geringste. Eher schon mit vergammelten Wachzimmern, unzureichender Büroausstattung, eklatantem Personalmangel und dem offensichtlich in Mode gekommenen legeren politischen Missbrauch einer höchst verantwortungsvollen Tätigkeit, bei der gesunder Menschenverstand - hoffentlich - ein essentieller Faktor ist. Der Minister-Sekretär verhöhnt seine Truppe geradezu, wenn er ihnen letzteren a priori abspricht. Nun will ich nicht so weit gehen wie manche Kommentatoren, die einen Deal zwischen Kickls rechter Hand und dem Kurz-Finanzier KTM (via dessen CEO Stefan Pierer) vermuten. Aber mangelndes Gespür auf beiden Seiten werden sich Goldgruber wie auch Trunkenpoltz nachsagen lassen müssen.

Schade: die höchst dynamische, fachlich gut gemanagte, internationale erfolgreiche Marke KTM hätte solche lachhaften lokalen Inszenierungen nicht notwendig. Nicht im geringsten.




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Maschinenraum, Glosse

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-25 16:05:13
Letzte Änderung am 2018-07-26 12:59:11


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