• vom 28.07.2018, 11:00 Uhr

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Berg-Begegnungen




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Von Andreas Rauschal


    Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

    Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung. Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

    Wandern ist eine tolle Sache, nicht nur, wenn man abschalten will. Und nicht einmal abschalten muss man droben in der Höhe unbedingt selbst, nein, teils erledigt das schon der Mobilfunkbetreiber für uns.

    Neben dem Internet und den E-Mails (dreimal hoch!), die uns außer an das echte Leben in den Niederungen via Newsletter-Stakkato ohnehin nur an die, ähm, Tücken der Datenschutzgrundverordnung erinnern würden, wird uns dort auch das Mobilfunknetz ganz einfach nicht fehlen - obwohl es fehlt. Und der Notruf funktioniert notfalls ja sowieso.

    Wenn man dann auch noch ein Wochenende zum Berggehen erwischt, an dem die Wetterprognose mau genug ist, damit sich die Laufkundschaft unten im Tal lieber anderweitig die Zeit vertreibt (mein Gott, wie es schon wieder staubt in der Wohnung!), und an dem weder Jesus, Hansi Hinterseer noch der österreichische Bundeskanzler samt Gefolgschaft ihren inneren Bergfex entdecken (oder ihn im Sinne der "Bewegung" zumindest öffentlich inszenieren), ist man in herrlicher Ruhelage womöglich auch alleine bis unter sich.

    Zu dritt würde es sich laut Andy Warhol zwar schon um eine Party handeln, trotzdem muss man als Kleingruppe nicht gleich vor Reinhold Messner Angst haben, der in uns den Gottseibeiuns in Form einer massentouristischen Alpininvasion zu erkennen glaubt (der Yeti sind wir ja eindeutig nicht).

    Vereinzelt dann doch stattfindende Begegnungen am Berg sind im Regelfall ungezwungen, höflich, ja nett. Sie finden per "Griass di!" statt und geben einen Vorgeschmack darauf, wie man sich als Amerikaner fühlt, der alle mit "you" anquatscht, was in der Hinterlandvariante zu einem burschikosen "Howdy!" führen kann. "Howdy!" würde phonetisch zwar ziemlich gut in die Berge passen, weil es uns irgendwie an die Heidi erinnert, trotzdem kommt dieser Gruß in den Alpen quasi nicht vor. Manchmal entfährt einem förmlichen Sittenstrolch ein formelles "Grüß Gott!", gelegentlich regiert ein hartgesottener Eingeborener mit "Die Deitschn!" auf ortsunübliche Ansprachen wie "Heute hamwa ’n Kaiserwetter, wa?" oder "’N Tach!".

    Oben auf der Hütte bemerkt man dann erst, dass an diesem Tag doch ein paar Wandersleut’ mehr unterwegs waren als vermutet. Sie kontrastieren die zuvor eingeatmete frische Bergluft im Bettenlager mit dem Geruch einer Bundesheereinheit, die nach einer einwöchigen Katastrophenschutzübung während der Hundstage noch immer keine Dusche gesehen hat.

    Misanthropisch muss man deshalb aber trotzdem nicht werden. Lachen wir lieber über den heute auch schon gehörten, etwas ungelenken Anbandelversuch (auf der Alm, da gibt’s koa Sünd!) mit den oststeirischen Worten "Suacht’s wous?". Gegen Analog-Tinder hat auch die fehlende Mobilfunkverbindung keine Chance.





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    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-07-26 16:23:21
    Letzte Änderung am 2018-07-26 16:44:51


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