• vom 26.07.2018, 19:30 Uhr

Glossen


Integration

Jetzt will man Deutschförderklassen auch in der Fahrschule




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Nein, will eh keiner. Mit den Öffis zu fahren ist sowieso besser für die Integration. Außerdem: Weniger Autofahrer, mehr Verkehrssicherheit.



Die Aufregung war . . . na ja, sooo groß auch wieder nicht. Den Führerschein soll man nämlich bald nicht mehr auf Türkisch machen können. In der Türkei natürlich schon noch. Aber bei uns in Österreich halt nimmer. (Sonst wollen sie als Nächstes bei der Staatsbürgerschaftsprüfung ihre Deutschkenntnisse auf Türkisch nachweisen.)

Ab 2019 sind die offiziellen Prüfungssprachen jedenfalls nur mehr Deutsch, Englisch, Kroatisch, Slowenisch. (Kroatisch und Slowenisch? Ja. Staatsvertrag, hallo?) Alles andere (Türkisch zum Beispiel) würde unweigerlich zum Staatsbankrott führen. Wegen der horrenden Übersetzungskosten. Weil dann ja jeder den Kreuzltest in seiner Muttersprache machen will. (Auf Chinesisch, auf Vorarlbergerisch . . .) Und am Ende beschweren sich die Analphabeten überhaupt über diese diskriminierende schriftliche Theorieprüfung und die Fragen müssen ins Analphabetische ebenfalls noch übersetzt werden. Zu lesen gibt’s im Straßenverkehr sowieso nicht viel ("Einbahn", "Stop", "Umleitung"). Meistens reicht’s, sich die Bilder anzuschauen. Warum eigentlich Englisch? Das ist doch grad dabei, aus der EU auszutreten, oder? Das ist am 29. März 2019 ab 23 Uhr britischer Zeit wahrscheinlich futsch. Äh, und wie unterhalten sich die Iren nach dem Brexit miteinander? Und die Malteser? Ach, die sollen Irisch und Maltesisch lernen.


Und die Austrotürken Deutsch, falls sie es noch immer nicht können, aber unbedingt hier mit dem Auto herumkurven wollen. (Wieso Deutsch? Und nicht Österreichisch?) Die sollen gefälligst wenigstens die Grundvokabeln beherrschen. "Kinder-Rückhaltesystem." (So was wie eine Hundeleine? Nur eben für Gschrappen?) Oder "Wohnwagengespann". (Ziehen da Pferdln den Wohnwagen? Aus welcher Zeit stammen diese Prüfungsfragen? Hat’s damals noch keine Autos gegeben?) Okay, ich bin selber zu blöd für den Führerschein. Ich hab mich durch den Online-Test vom ÖAMTC geklickt und bin durchgefallen. Doch eher, weil ich zu oft gehupt habe. Und auf dem Pannenstreifen werde ich meine Mitfahrer bestimmt nicht über die Leitschiene schubsen ("hinter der Leitschiene in Sicherheit bringen"), weil was, wenn ich die Panne auf einer Brücke habe? He, weshalb richtet man nicht einfach Deutschklassen in den Fahrschulen ein? Die Fragen sollte man auch schleunigst ein bissl aktualisieren.

"Sie befinden sich in einem PKW mit österreichischem Kennzeichen. Dürfen Sie während der Fahrt ein Kebab essen? a) Nein, sonst müsste man auch das Verspeisen asiatischer Nudelgerichte mittels Stäbchen oder eines Wiener Schnitzels unter Zuhilfenahme von Messer und Gabel am Steuer gestatten, was die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen könnte. b) Nur als BeifahrerIn. c) Ja, solange ich mit der andern Hand kein SMS tippe. d) Ja, wenn ich einen Kaufbeleg mit mir führe." (Richtige Antwort: a, b, c und d.) "Sie sind im Besitz einer in Österreich ausgestellten Lenkerberechtigung und sitzen im Flieger nach Istanbul. Wie heißt Ihr Präsident? a) Recep Tayyip Erdogan. b) Alexander Van der Bellen. c) Leo Windtner. d) Hängt davon ab, ob ich mehr auf Politik oder Fußball steh." (d?) Nichts ist freilich förderlicher für die Integration als die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Im Auto ist man ja wieder bloß unter sich. Also besser keine Deutschklassen.




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Dokument erstellt am 2018-07-26 16:26:13


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