• vom 27.07.2018, 16:58 Uhr

Glossen

Update: 10.08.2018, 14:07 Uhr

China

Es bläst ganz schön




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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Dinge ändern sich. Manche von allein, bei anderen wird nachgeholfen.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

"Wenn der Wind der Veränderung bläst, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen", sagt man in China. Und in China ändert sich ja dauernd was. Außer die Kommunistische Partei, die bleibt. Unveränderlich. Dafür hat man jetzt einen veritablen Handelskrieg mit den USA am Laufen. Die EU aber nicht. Denn Jean-Claude Juncker hat ein ganz tolles Gespräch mit Trump gehabt, und die Erleichterung ist groß. Aber eigentlich war es gar nicht so verwunderlich, dass Juncker als Ex-Boss einer Steueroase Erfahrung hat im Umgang mit nervösen Millionären. Denen muss man nur mehr Gewinn versprechen, dann beruhigen sich auch die hysterischsten Twitterwesen.

Ganz anders reagiert da der ÖGB. Der kündigt angesichts der Einführung des besten 12-Stunden-Tages der Welt einen heißen Herbst an. Dabei ist klimatisch gesehen dieses Jahr ohnehin schon überdurchschnittlich warm. Das liegt aber am Klimawandel, nicht am ÖGB. Und auch andere Naturereignisse lassen sich bewundern: Die totale Mondfinsternis von Freitag auf Samstag zum Beispiel. Da färbte sich der Erdtrabant kupferrot. Stellt sich natürlich die Frage, ob man sich schon auf HC Straches Facebookposting freuen darf, der darin ein Anzeichen des heraufdräuenden Kommunismus sieht.


Man glaubt ja gar nicht, wo die Menschen überall Kommunisten sehen. Also nicht in China, da gibt es ja wirklich welche, sondern hier bei uns. Die Edel&Steinfeder Michael Jeannée von Straches Lieblingsblatt "Kronen Zeitung" sieht etwa im Verbot der Nahrungsaufnahme von stark riechenden Speisen in der U6 kommunistische Gleichmacherei. Warum? Weil auch autochtone Speisen, wie Schnitzel und Leberkäse, in das Verbot eingeschlossen seien. Diese würden aber für ihn ausschließlich duften. Der Mann ist anscheinend zwischen Fleischabfällen groß geworden und macht auch gern Ferien in einer Fritteuse.

Kulturell gut abgegrenzt ist man dagegen im Verkehrsministerium. Der Chef des Hauses N. Gerwald Hofer will nicht nur 140 km/h jetzt probehalber erlauben, sondern auch verbieten, dass man den Führerschein auf Türkisch machen kann. Ob man die Prüfung für den Deckel dafür auf Gotisch, Vandalisch und Teutonisch ablegen kann, ist noch offen.

Abgeschlossen ist dagegen das Verfahren gegen einige Vertreter der Identitären in Graz. Fest steht: Das sind keine Volksverhetzer. Nein, die sind nur ein bisserl nervös. Und dann schreien sie halt herum, stören Veranstaltungen und überfallen Menschen, die anderer Meinung sind. Muss man verstehen.

Wer nicht mehr alles so genau versteht, ist aber Christian Konrad. Der ehemalige Raiffeisenchef vermisst das Christlich-Soziale in der ÖVP, sieht den Bundeskanzler in der Flüchtlingsfrage auf einem anderen Gleis, verteidigt Humanität und Familienbeihilfe für alle und lobt obendrein die Sozialpartnerschaft. Kurz gesagt: Der macht unter dieser Regierung keine Karriere mehr.

Erst recht jetzt nicht, wo sich in Salzburg der Geldadel trifft, um sich in ein kulturelles Mäntelchen zu werfen und anschließend mit dem SUV in ihr Reichenghetto zurückzuziehen. Tja, wie war das nochmal in China? Mauern oder Windmühlen.

Und schließlich ist auch das Reich der Mitte nicht berühmt für die große chinesische Windmühle.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-27 17:08:12
Letzte Änderung am 2018-08-10 14:07:28


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