• vom 04.08.2018, 11:00 Uhr

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Liebeskriegsspiel




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Von Mario Rausch


    Als Heinrich von Kleist sein Stück "Penthesilea" vor über 200 Jahren an Johann Wolfgang von Goethe schickte, war er sich bewusst, dass dieses Werk in den Augen seiner Zeitgenossen kaum bühnentauglich war. Dass es heuer im Rahmen der Salzburger Festspiele zur Aufführung kommt, straft diese Ansicht Lügen. Unerhört ist der Stoff aber allemal - und noch dazu einer, der auf eine Jahrtausende alte Tradition zurückblicken kann.

    Information

    Mario Rausch, geboren 1970, lebt als freier Publizist in Klagenfurt und Wien.

    Wer in der antiken Mythologie der Figur der Amazonenkönigin Penthesilea nachspürt, stößt auf eine starke, kriegerische Frau, die mit ihrem Heer im Trojanischen Krieg der umkämpften Stadt zu Hilfe kommt, aber auf dem Schlachtfeld vom griechischen Helden Achilleus getötet wird.

    Diese Szene zeigt eine um 460 v. Chr. bemalte Schale aus Athen, deren Künstler ob der Qualität der Darstellung "Penthesileamaler" genannt wird. Für ihn war der Tod der Amazonenkönigin auf dem Schlachtfeld das zentrale Motiv des Mythos. Doch die Geschichte ging noch weiter: Als nämlich Achilleus der unterlegenen Gegnerin den Helm abnimmt, verliebt er sich in sie und bedauert seine Tat.

    Heinrich von Kleist veränderte das Geschehen in seinem Sinne und machte die tragische Beziehung zwischen der Amazonenkönigin und Achilleus zu einem Drama, in dem es letztlich nur Verlierer gibt und die Macht des Schicksals die Liebe hinwegfegt.

    Zu Beginn stehen sich vor den Toren Trojas die Heere der Griechen und Trojaner gegenüber. Die Amazonenkönigin Penthesilea greift mit ihrem Heer in die Schlacht ein, und schnell wird klar, dass es hier um mehr als nur den Sieg auf dem Schlachtfeld geht: Als sie nämlich Achilleus erblickt, färbt ihr die "Glut (. . .) bis zum Hals hinab / Das Antlitz (. . .), als schlüge rings um ihr / Die Welt in helle Flammenlohe auf."

    Dieser Macht der Liebe kann Penthesilea sich nicht entziehen und zieht daher immer wieder gegen Achilleus zu Felde, um ihn sich im Kampf zu unterwerfen und, wie es das Gesetz der Amazonen vorschreibt, ihn dann als
    Gatten in ihr Reich zu führen.

    Doch Achilleus ist es, der Penthesilea verwundet. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht, glaubt sie, selbst die Siegerin zu sein. Nachdem die Amazonen ihre Königin wieder befreien konnten, fordert Achilleus Revanche und will ihr eigentlich zum Schein unterliegen. Doch dieses Liebeskriegsspiel wird für ihn blutiger Ernst: Penthesilea durchschaut sein Spiel nicht und steigert sich in Rage. Sie trifft ihn tödlich. Und sie fällt über den Leichnam mit ihren Hunden her, zerfleischt ihn. Als sie aus dieser wilden Raserei erwacht und erkennt und sieht, was wirklich war, wählt sie den Freitod.





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    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-08-02 16:50:17
    Letzte Änderung am 2018-08-03 10:24:55


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