• vom 08.08.2018, 16:04 Uhr

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Update: 09.08.2018, 12:44 Uhr

Maschinenraum

Hybrid-Feeling in Niederfladnitz




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Von Walter Gröbchen

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  • Autos, die sowohl Benzin- wie auch Elektromotore besitzen, sind durchaus in Mode. Aber fahren wir damit in die richtige Richtung?



Normale Autos interessieren mich immer weniger. "Normal" meint: Fahrzeuge mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Nun hege ich keinen Groll gegen diesen Typus, ich nenne sogar zwei leicht angegraute Automobile traditioneller Bauart mein eigen. Aber es zeichnet sich deutlich ab, dass ihre Zeit rascher abläuft als gedacht. Einerseits bedingt durch die zunehmend restriktivere Verkehrspolitik in Ballungsräumen und Großstädten - und, ja, Wien zählt dazu und auch Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck et al werden nicht zurückstehen -, andererseits durch die Umweltbelastung, die zwar bei alternativen Antrieben auch nicht grundsätzlich wegfällt, aber bei Verbrennern buchstäblich zum Himmel stinkt. Sollte der Klimawandel weitere Tropensommer bringen wie anno 2018, wird auch dem konservativsten Benzinbruder zu Gehirn steigen, dass es so nicht weitergehen kann.

Nun gibt es radikale Zeitgenossen, die gleich den gesamten Individualverkehr in Frage stellen. Solange aber Niederfladnitz im Waldviertel - Achtung, Symbolnamen! - nicht mit dem Elektrobus oder der Schmalspurbahn erreichbar ist (es soll hier immerhin den "Reblausexpress" geben, aber das ist ein touristisches Spaßprojekt), ist das Ende des Autos eine Schimäre. Praxistests, die nur zwischen Wien-Neubau und der Stadtgrenze stattfinden, sind lachhaft (außer vielleicht für Fahrräder und E-Goggomobile). Brauchbare Zukunftskonzepte müssen Niederfladnitz-tauglich sein.


Und hier, an einem kleinen, verborgenen Teich in der flimmernden Sommerhitze des Waldviertels, steht tatsächlich ein fahrtaugliches Zukunftskonzept in der Landschaft herum. Ein Testauto. Namens Hyunday Ioniq Plug-In. Es handelt sich um ein normschmuckes Mittelklasseautomobil, das es auch als reinrassiges Elektroauto oder klassischen Hybrid gibt. Als "Kombination aus dem Besten beider Welten", wie der Pressetext verspricht, ist die Plug-In-Variante mit 63 Kilometer Strom-Reichweite durchaus für Kurzstrecken-Pendler mit einer Solaranlage auf dem Garagendach interessant. Der Elektromotor leistet 60 PS, geladen wird er über eine normale Steckdose. Zusätzlich ist aber auch ein 1,6 Liter-GDI-Vierzylindermotor mit rund 105 Pferdestärken an Bord. Das ermöglicht es, von Wien nach Niederfladnitz zu gelangen. Und auch retour. Die künstliche Intelligenz des Hyundai schaltet unmerkbar zwischen beiden Antriebskonzepten um, ganz nach Geschmack, Tankinhalt und Batteriestand. Ich muss gestehen: Abstriche muss man mit solch einem Fahrzeug keine machen.

Dennoch ist das Plug-In-Konzept möglicherweise nicht die Zukunft. Also: nicht die fernere. Aber die Gegenwart. Wenn man mitdenkt und -lenkt in die richtige Richtung. Seit seiner Markteinführung im Herbst 2016 hat der Ioniq allerlei Auszeichnungen erhalten, etwa als "Fleet Car of the Year" - offensichtlich handelt es sich um den Urmeter der globalen Nachhaltigkeitsstrategie des koreanischen Herstellers, der bis 2020 vierzehn Eco-Autos auf den Markt bringen will. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, zumindest für die nächste Generation: 300 Kilometer reine Elektro-Reichweite. Und nur einen Alibi-Reservetank und Zweitmotor für ängstliche Gemüter. Dann liegt Niederfladnitz quasi optimal.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-08 16:14:31
Letzte Änderung am 2018-08-09 12:44:27


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