• vom 24.08.2018, 14:33 Uhr

Glossen

Update: 24.08.2018, 15:08 Uhr

Glossenhauer

Das Böse und die Lederhöse




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Von Severin Groebner

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  • Die Österreicher leiden an Selbstverkitschungszwang. Aber das stört keinen kleinen Geist.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Über die Hochzeit der Außenministerin ist eigentlich schon alles gesagt worden, aber - frei nach Karl Valentin - noch nicht von allen. Ihr Glossenhauer etwa hat noch keine Stellungnahme abgegeben. Was schlecht ist, da ein Aspekt dieses Weltereignisses der guten Umgangsformen bisher völlig unbeleuchtet geblieben ist.

Sicher hat man kritisiert, dass man sich vor einem "lupenreinen Demokraten" (© Gerhard "Hol mir mal ne Flasche Bier" Schröder), der in seiner Freizeit das Völkerrecht als Klopapierersatz verwendet, Syrien in die Steinzeit zurück bombardiert, Filmregisseure in Lager am Polarkreis steckt, Oppositionelle verurteilen lässt, vielleicht sogar Wahlen in anderen Staaten manipuliert und andere lustige Dinge tut, nicht unbedingt so tief verbeugen sollte, dass das eigene Selbstwertgefühl auf dem Boden schleift.


Was dabei aber übersehen wird, ist, dass diese politisch-symbolische Botschaft den allermeisten Österreichern schlichtweg egal ist. Vielleicht sogar blunzn. Und warum? Weil das ganze Fest rundherum so liab war. So fesch. So herzig. Jeder hat ein Glaserl Wein g’habt, die Musi hat g’spielt, die Herren haben Tracht getragen und die Damen ein resches Dirndl. So schee! Sowiasasegheat.

Das Bild, das Österreich von sich selbst hat, wurde erfolgreich bedient. Und das reicht. Da können gerne die Geheimdienste aus Westeuropa nicht mehr mit den hiesigen Kollegen zusammenarbeiten, weil sie die Österreicher mittlerweile für eine Filiale des FSB halten. Das ist uns doch wurscht, solange die Außenministerin als Mariandlandlandl-Reinkarnation durch die Südsteiermark hüpft. Und wenn die 60-Stunden-Woche kommt, wird sich keiner beschweren, solange alle dabei Krachlederne tragen dürfen.

Worum es geht, ist zweitrangig, Hauptsache, es sieht alles so aus, als würde gleich Peter Alexander ums Eck kommen und zu singen beginnen. Und dieses Grundbedürfnis an realitätsferner Selbstromantisierung, das weite Teile der Bevölkerung teilen, hat die Regierung verstanden. Das ist das eigentliche PR-Geheimnis dieser ideologisch starkpigmentierten Koalition.

Werden auch Sozialversicherungen zerschlagen, stört das keinen, solange es als Holzhacker-Event verpackt wird. Vielleicht singt sogar ein Holzscheitel. Mehr Kompetenzen und Maschinengewehre für die Polizei? Kein Problem, solange die auf Pferderln daherreiten, passt das schon. Verkehrsminister N. Gerwald Hofer erlaubt Tempo 140 auf der Autobahn und Rechtsabbiegen bei Rot (so eine billige Pointe zu machen hätte ich mich nie getraut)? Kein Problem, aber bitte mit dem Fiaker, und der Kutscher singt: "Stellt’s meine Ross’ in Stall!" Österreich könnte auch ohne Probleme ein Atommüllendlager am Hallstätter See errichten, wenn es nur wie eine Berghütte aussieht und ein knorziger Wurzelsepp jedem Atommüllfass Namen wie "Zenzi" oder "Liesl" gibt und sie am Morgen mit einem urigen "Griasch Di!" begrüßt.

Und wenn der Innenminister das nächste Mal wieder Flüchtlinge "konzentriert halten" will, wird er sie nicht - wie Ungarns Regierung - verhungern lassen. Nein, er verkleidet sie einfach als Gartenzwerge, und schon sagt sich jeder Anrainer: "Schau, da: San eh so liab!"




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-24 14:41:45
Letzte Änderung am 2018-08-24 15:08:44


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