• vom 20.09.2018, 16:22 Uhr

Glossen


Zeitumstellung

ÖGB droht mit Generalstreik, falls permanente Sommerzeit kommt




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Nein, tut er nicht. Der Gewerkschaftsbund nimmt es einfach so hin, dass die Arbeitnehmer eine Stunde Freizeit verlieren.



Was tu ich bloß, wenn die immerwährende Sommerzeit eingeführt wird? Ich geh zur Polizei, was sonst? Und mach eine Diebstahlsanzeige. Weil mir immerhin eine ganze Stunde geklaut worden ist. Und Zeit ist Geld. Oder ich verklag die EU-Kommission. (Ob meine Rechtsschutzversicherung das zahlt?) Auf Schadenersatz. Die ist schließlich an alldem schuld. Mit ihrer depperten Umfrage. Zeitumstellung abschaffen oder nicht.

Zeit ist bekanntlich - Geld? Ja, aber vor allem ist sie das, was die Uhr anzeigt. Oder die Alexa auf die Frage antwortet: "Alexa, wie spät ist es?" Die Sonne hat da nicht viel mitzureden. Nicht, dass die sprechen könnte. Die ist eine Kugel, hallo? Keine plappernde Dose, die man bei Amazon bestellen kann. Und die ich am liebsten in Alufolie einwickeln würde, damit sie meine Gedanken nicht liest. Der Heinz hat nämlich so eine Alexa daheim. Er: "Du magst die Alexa nicht?" Ich: "Na. I fühl mi so abgehört." Sie: "Das habe ich nicht richtig verstanden. Der Song ,Ich bin ein dicker Tanzbär‘, richtig?" Nein, falsch, Alexa. Egal. Auf eines hab ich mich bisher jedenfalls immer verlassen können: Die Stunde, die am letzten Sonntag im März eigenmächtig von meinem Wochenende abgebucht wird, wird mir am letzten Sonntag im Oktober wieder gutgeschrieben. Und keine Sekunde mehr. Weil man nicht einmal Zinsen kriegt. (Wenigstens wird einem kein negativer Einlagezins verrechnet.) Sieben Monate pro Jahr in der Zukunft, also live zeitversetzt leben, fünf Monate in der "richtigen" Zeit (Winterzeit = Normalzeit): Diese Zeitreisen sind ziemlich belastend. Für die Deutschen halt. Denn außer denen hat anscheinend kaum wer an der Umfrage teilgenommen, wegen der sich die einzelnen EU-Staaten nun womöglich entscheiden müssen: Sommer oder Winter. Permanent. Sommer, wetten? Bei uns. (Eh klar. Sich über den Jetlag bei der Zeitumstellung aufregen und nachher ohne Genierer in den Urlaub fliegen. Nach Griechenland. Wo’s eine Stunde später ist.) Am 28. Oktober werde ich vielleicht das allerletzte Mal meinen Wecker auf 2.59 Uhr stellen, eine Minute warten, bis die Zeit in die Gegenwart zurückspringt, um dann zwischen zwei und drei endlich das zu tun, was ich am 25. März zwischen zwei und drei nicht tun konnte, weil es kein Zwischen-zwei-und-drei gegeben hat. Ach, schlafen?


Sommerzeit auf ewig, das ist ein Verbrechen. Eine Stunde in bester Lage (Sonntag) wird mir dadurch gestohlen. Diesmal endgültig. Außerdem soll mich der Ganzjahressommer blader, blöder und grantiger machen. Und die Gewerkschaft? Schaut zu. Statt mit einem Generalstreik zu drohen. Einem einstündigen. Falls man den Arbeitnehmern eine Stunde Sonntag flaucht. He, was können die Arbeitgeber denn dafür? Und haben die nicht genauso ein Recht auf einen vollständigen Sonntag? Na ja, machen sie halt, während ihre Angestellten streiken, einfach auch nix.

Für die Dauerwinterzeit bin ich also? Nein, natürlich nicht. Die Vogerln, die ja locker eine Stunde vor Sonnenaufgang aufstehen, würden im Sommer schon um drei in der Früh zu zwitschern anfangen. Und wie blad, blöd und grantig ich dann werden würde, das will ich mir gar nicht erst vorstellen. (Alexa, wehe, du spielst mir das Lied "Ich bin ein dicker Tanzbär"!) Alles soll so bleiben, wie es ist, bitte. Geht nicht? Und wenn die Sommerzeit auf sechs Monate verkürzt wird?




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Dokument erstellt am 2018-09-20 16:33:16


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