• vom 28.09.2018, 14:26 Uhr

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Update: 28.09.2018, 14:44 Uhr

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Von Severin Groebner

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  • Ein Blick in die heimische Politlandschaft zeigt: Wir haben hierzulande nur die Besten der Besten in Amt und Würden.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie professionell die österreichische Innenpolitik ist. Und sie ist - so viel sei schon verraten - sehr, sehr professionell. Da weiß die rechte Hand genau, was sie tut. Und die linke genau nicht.

Erstes Beispiel: die Freiheitlichen. Sie behaupten, die Partei des kleinen Mannes zu sein. Und das sind sie auch. Natürlich nur, wenn man mit "kleiner Mann" Buben im Alter irgendwo zwischen 6 und 16 Jahren meint. Durch all die Entscheidungen der FPÖ-Minister kann man diese kleinen Maskulinchen richtiggehend quengeln hören: "Ich möchte einen Polizisten auf einem Pferd!" - "Kriegst du!" - "Wenn ich einmal groß bin, will ich mit 140 km/h über die Autobahn brettern und überall eine nach der anderen tschicken!" - "Kannst du!" - "Mädchen sind blöd!" - "Genau deshalb haben wir ihnen auch die ganzen Gelder gestrichen." - "Hahaha! Ätschibätsch!"


Und so macht auch das Innenministerium seine Informationspolitik nach dem Motto: "Wenn du so gemein zu mir bist, dann bist du nicht mehr mein bester Freund! Bäh!" Denn so reagieren kleine Buben nun einmal, wenn sie kritisiert werden. Aber Gott sei Dank hat ja der "beste Innenminister der Zweiten Republik" ganz klar erklärt, dass die Medienstrategie seines Hauses nichts mit Zensur zu tun hat. Sondern im Gegenteil mit Transparenz. Denn das Innenministerium legt ganz klar offen, wem es nichts erzählt. Und dass die Herkunft von Straftätern besonders wichtig sein soll, ist letztendlich auch nur die Kickl’sche Variante von "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann".

Obendrein kann ja nichts passieren, weil die Opposition in Österreich
die Regierung knallhart kontrolliert und an die Kandare nimmt. Die Sozialdemokratie etwa. Die kennt keine Gnade und zeigt der türkis-blauen Bundesregierung, wie man sich selbst zerlegt. Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass es ihr die Regierung irgendwann einmal nachmacht. Oder anders gesagt: Wenn einmal vor Ihrer Wohnungstür Michael Ludwig steht und Ihnen versichert, er unterstütze Sie mit ganzer Kraft, dann ist es Zeit auszuwandern.

Wie sehr die Partei mit ihrer neuen Vorsitzenden noch fremdelt, kann man auch daran erkennen, dass
die einen ihren Vornamen eher "Pamehla" aussprechen, während die anderen mehr zu "Bämmella" neigen. Ansonsten richtet man einander gegenseitig Nettigkeiten aus. Von "Ich lasse mir nicht den Mund verbieten" über "Du bist ein Bobo!" bis "Alphamännchen", um schließlich zur politischen Kernforderung vorzustoßen: "Wir möchten jemanden, mit dem wir Bier trinken können." Na dann: Prost!

Was aber macht einstweilen die Partei des Bundeskanzlers? Gar nichts. Sie existiert scheinbar nicht. Sie hat sich in wohlig warme türkise Luft aufgelöst, die der Bundeskanzler bei seinen Auftritten verströmt. Und dabei lässt er sich auch fotografieren. Zusammen mit dem EU-Kommissionspräsidenten, zusammen mit dem EU-Ratspräsidenten, zusammen mit anderen Regierungschefs. In Weltstädten wie New York oder Salzburg. Und dabei lächelt er. Sagt ab und zu einmal "Pressefreiheit" und sonst lieber nichts. Aber lächeln, das kann er. Hochprofessionell.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-28 14:36:23
Letzte Änderung am 2018-09-28 14:44:18


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