• vom 03.10.2018, 16:29 Uhr

Glossen

Update: 04.10.2018, 15:36 Uhr

Maschinenraum

Grünes Licht für gelbe Flitzer




  • Artikel
  • Lesenswert (12)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Walter Gröbchen

  • Maschinenraum
  • Der altehrwürdige ÖAMTC wird vom Autofahrer-Club zum Mobilitätsanbieter: eine sympathische Revolution im Kleinen.



Steckt man regelmäßig im Stau auf der Wiener Tangente, hat man gelegentlich die neue Zentrale des Autofahrer-Clubs ÖAMTC im Blickwinkel. Sie gleicht einem gerade gelandeten UFO mit gelben Zierstreifen, ihre Architektur strahlt Modernismus, Progressivität und Selbstbehauptungswillen aus. Am Heliport am Dach thront meist ein stolzer Rettungshubschrauber. Betritt man das Gebäude, sticht einem ein vertikal an einer Seitenwand hängender Puch 500 ins Auge - der historische Miniatur-Pannenwagen verweist auf eine Ära, als individuelle Motorisierung für viele noch nicht Alltag war und ein "gelber Engel" ein geschätzter Retter in misslichen Situationen. So lange ist das nicht her. Systematische Pannenhilfe ist längst kein Monopol mehr (wobei: im großkoalitionären Österreich gab es ja immer auch den Arbö), das Geschäftsmodell - der Club hat mehr als 1,8 Millionen Mitglieder, kein Verein in diesem Land zählt mehr - brummt kräftiger denn je. Und doch haben sich einige Perspektiven verschoben.

Ein Indiz dafür ist, dass man plötzlich massig gelbe Elektro-Scooter in der Bundeshauptstadt sieht. Es sind Mietroller für die Kurzstrecke zwischendurch. Sie stehen auch Nicht-Mitgliedern des ÖAMTC gegen einen überschaubaren Obolus (4 Euro unter 30 Minuten Fahrtdauer, jede weitere Minute kostet zehn Cent) zur Verfügung. Und, ja, das ist eine kleine Revolution. Denn das noch ganz frische - und intern im Vorfeld vieldiskutierte - E-Scooter-Sharing macht den altehrwürdigen Autofahrer-Club zum semikommerziellen Mobilitätsanbieter. Peter Pisecker, umsichtiger Chefredakteur des hauseigenen Magazins "auto touring", bringt es auf den Punkt: "Clubmitglied ist der Mensch und nicht das Auto." Insofern ist es auch keine Überraschung, auf dem Parkplatz vor der ÖAMTC-Zentrale in Wien-Erdberg Elektrofahrräder vorzufinden. Auch die kann man ausleihen, aber die Nachfrage ist weit geringer als jene nach den flotten Scootern. Wie fahren sich die Dinger denn? Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht. Man lädt eine kostenlose App auf das Smartphone, fotografiert seinen Führerschein und sich selbst, gibt eine Kreditkarte ein und eine E-Mail-Adresse. Passt alles, wird man in Minuten freigeschaltet. Einmal registriert, braucht man nur mehr einen Scooter im näheren Umkreis (in Wien innerhalb von Gürtel und Tangente und diesseits der Donau) auswählen, in die App eingeben und kann losfahren. Abgerechnet wird monatlich im Nachhinein. Der Elektro-Roller ist ein Fabrikat des spanischen Herstellers Torrot namens "Muvi", besitzt Wechselakkus, die vom Club direkt auf der Straße getauscht werden können, und garantiert bis zu 110 Kilometer Reichweite. Im Topcase sind zwei Helme in unterschiedlicher Größe mit an Bord, das Fahrzeug selbst ist ein Einsitzer. Der sich knüppelhart, aber extra unkompliziert fährt und mit 50 km/h Topspeed gut im Stadtverkehr mitschwimmen kann. Der Projektname "easy way" ist trefflich gewählt: Viel bequemer kann man billig kaum unterwegs sein. Um ein Kinderspielzeug handelt es sich beim "Muvi" Gottseidank nicht - es ist eine ausgewachsene, ernstzunehmende Alternative zur meist überdimensionierten eigenen (oder Lohn-)Benzindroschke. Gute Fahrt mit der Scooter-Idee, ÖAMTC!





Schlagwörter

Maschinenraum

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-03 16:39:30
Letzte Änderung am 2018-10-04 15:36:31


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Wähler haben Watschen ausgeteilt
  2. Im Museum der Zukunft
  3. Autonomes Autofahren
  4. Was soll das Kind bitte einmal nicht werden?
  5. Wien verschärft das Kinderhaltegesetz
Meistkommentiert
  1. Wir dürfen die Nichtraucher nicht gewinnen lassen
  2. Denk mal!
  3. Autonomes Autofahren
  4. Wien verschärft das Kinderhaltegesetz
  5. Rucola und Gabalier

Werbung




Werbung