• vom 04.10.2018, 17:10 Uhr

Glossen


Frauenvolksbegehren

Wir dürfen die Nichtraucher nicht gewinnen lassen




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Aber anscheinend ist den Leuten eine rauchfreie Gastronomie viel wichtiger als die Gleichberechtigung der Frauen.



Was ist schlimmer? Dass die aktuelle Frauenministerin, die Juliane Bogner-Strauß, das Frauenvolksbegehren nicht unterschreiben wird oder dass die ehemalige Frauenministerin Maria Rauch-Kallat es schon unterschrieben hat? Na ja, dann tippe ich einmal auf: Letzteres.

Einen echten Bären-, Tschuldigung: Bärinnendienst hat sie den Frauen mit ihrer Unterschrift da erwiesen, die Rauch-Kallat. Zuerst hätte sie überhaupt nicht unterzeichnen wollen, hat sie am Dienstag in der "ZiB2" zugegeben (weil: 30-Stunden-Woche auf Krankenschein und Abtreibung für alle, nein, falsch, umgekehrt - das geht gar nicht), "aber ich will auch nicht Männern den Triumph lassen, dass dieses Frauenvolksbegehren weniger Stimmen bekommt als das Anti-Raucher-Volksbegehren". Super. Jetzt kann ich nimmer unterschreiben. Für eine Gastronomie ohne Gaskammern. Weil jetzt ist das eine Frage der Ehre. Die Nichtraucher dürfen einfach nicht besser abschneiden als die Frauen. Okay, werden sie trotzdem. Immerhin müsste die Frauenmannschaft (nicht, dass da keine Männer mitspielen würden) in nur einer Woche 343.710 Tore schießen, um erst einmal den Vorsprung der anderen bei den Unterstützungserklärungen aufzuholen. Außerdem werden nun sämtliche Machos des Landes das "Don’t smoke"-Volksbegehren signieren. Dabei ist das ein Unisex-Begehren. Es hat ja sogar ein Binnen-I auf seiner Homepage ("Für den Schutz der NichtraucherInnen"). Bernard G.s richtiger und vollständiger Name wird übrigens nicht auf dieser Eintragungsliste aufscheinen. Nicht? Aber will sich mein Lieblingsarbeitsloser nach seinem Herzinfarkt nicht eigentlich das Rauchen abgewöhnen?


"Jo, eh. Mir reicht’s allerdings schön langsam mit den gonzn Verboten. Do boykottier i lieber die Raucherbereiche. Scho allan wegen dem Arbeitnehmerschutz." - "Wieso ,Arbeitnehmerschutz‘? Du host doch goa ka Oabeit." - "Oba des Servierpersonal hod ane." - "Gegen a Kopftuchverbot in da Volksschul bist womöglich a?" - "Jo." - "I hob gedocht, du bist a Feminist. Und ohne Kopftiachl waratn die kleinen Mädchen gleichberechtigt und könnten später olles werden. Wie die Buben." - "Bundeskanzlerin zum Beispü?" - "Gesetzlich verboten wär‘s jedenfois ned." - "Genau. Und damit i die erste österreichische Bundeskanzlerin vielleicht doch noch erleb . . ." - "Ach, des wird in vier Joa die Rendi-Wagner." - ". . . wird mei richtiger und vollständiger Name auf da Liste vom Frauenvolksbegehren stehn. Und natürlich a, weil i für die 30-Stunden-Woche bin. Schafft Arbeitsplätze. Auch für Männer. Sicher mehr als a 60-Stunden-Wochn. Mir persönlich tät’s jo bereits reichen, wenn sie an anzigen Oabeitsplotz schoffn würd. Am besten a sitzende Tätigkeit. Weil mei Puls darf ned über 100 steigen. Sunst sollt auf jeden Foi a Defibrillator in da Nähe sein." Dafür wären bei einer Fifty-fifty-Geschlechterquote zwei andere Männer ihren Job los. Weil von 14 Ministern lediglich fünf weiblich sind. Man müsste dann aber nicht bloß die Regierung umbilden, sondern den Nationalrat gleich mit. Und wenn die Männer irgendwann plötzlich ebenfalls ihren eigenen Minister haben wollen? (Es gibt ja nicht einmal einen Staatssekretär für Männerangelegenheiten. Im Frauenministerium.) Können sie gern Unterstützungserklärungen für ein Männervolksbegehren sammeln.




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Dokument erstellt am 2018-10-04 17:21:31


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