• vom 06.10.2018, 08:00 Uhr

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Update: 08.10.2018, 10:27 Uhr

Glossenhauer

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Von Severin Groebner

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  • Die beste Regierung der Zweiten Republik (vielleicht sogar die letzte Regierung der Zweiten Republik, man weiß es nicht so genau) hat dieser Tage die Statue für die Trümmerfrau enthüllt. Aber man hat noch ganz andere Denkmäler in der Pipeline. Eine Vorschau.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Das Denkmal für den zwanghaften Mitläufer:

Zehntausendende Österreicher waren am 15. März 1938 auf dem Heldenplatz und haben Adolf Hitler zugejubelt. Aber haben sie das freiwillig getan? Nein. Ein genetischer Defekt, der jahrhundertelang in ihnen als Untertanen des Kaiserhauses herangereift war, hat sie gezwungen, freiwillig diesem massenpsychotischen Ereignis beizuwohnen. Und das gegen ihre eigene urösterreichische Überzeugung, die als A.E.I.O.U. bekannt ist. Kurz für: Am End is ollas umasunst.


(Entwurf: Ein ausgestreckter rechter Arm, auf der Handfläche eingraviert: "Ich hab von nichts gewusst."

Aufstellungsort: Irgendwo weit draußen, wo keiner vorbeikommt.)

Das Denkmal für den armen Reichen:

Wo die Trümmerfrauen das Glück hatten, die schwere Last nur wegräumen zu müssen, hat die hier bedachte, bis heute ständig leidende Gesellschaftsschicht das traurige Los, die richtig schweren Dinge mit sich herumschleppen zu müssen: dicke Uhren, große Parteispenden, schwere Räusche oder - sollten sich noch alte Adelige in der Verwandtschaft finden - massive genetische Defekte. Ein (im Wortsinn) schweres Los. Gar nicht zu reden vom einen oder anderen immensen Schuldenberg, den man sich nur sehr ungern vom Steuerzahler abnehmen lassen musste. Ja, natürlich sind die Reichen nach der Finanzkrise auch in diesem Land reicher und die Armen ärmer geworden. Natürlich hat man sich seine Vermögenswerte durch eine sogenannte Griechenland-Rettung in trockene Tücher packen lassen. Aber was hätten Sie denn getan? Schuldenschnitt? Steuern zahlen? Ich bitte Sie, wie soll man da das Penthouse im Goldenen Quartier brennen? Man muss doch mit den russischen Nachbarn mithalten! Selbstverständlich hat man deshalb ein sehr schlechtes Gewissen - schon wieder etwas, das man herumtragen muss!

(Entwurf: Ein sehr trauriger Geldkoffer, in dezentem Platin gehalten.

Aufstellungsort: Schräg gegenüber der Finanzmarktaufsicht.)

Das Denkmal für den postdemokratischen Wähler:

Vor lauter Retrospektive vergisst die Regierung trotzdem nicht die Wähler, die sie erst zu dem gemacht haben, wer sie heute ist. Schließlich wurden die Regierungsparteien zum Großteil von Menschen gewählt, die von dieser Regierung nicht nur nichts zu erwarten, sondern sogar gegen ihre eigene Interessen votiert haben. Dieser einzigartige demokratiepolitische Rückwärtssalto mortale muss gewürdigt werden, um ein leuchtendes Beispiel für ganz Europa darzustellen. Denn das ist ein Zukunftsmodell.

(Entwurf: Ein menschliches Wesen aus massivem Gold, das sich durch die eigenen Beine hindurch selbst in den Hintern beißt. Gestaltet von einer landesweit enervierenden Pop-Art-Künstlerin.

Aufstellungsort: Heldenplatz zwischen Prinz Eugen und Erzherzog Karl als dritter Nationalheiliger des Landes. Die Fiaker müssen nur darum herumkurven und sagen dabei zu den Touristen: "Look! Zis is Austria!")




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-05 17:12:31
Letzte Änderung am 2018-10-08 10:27:35


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