• vom 14.10.2018, 10:00 Uhr

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Autonomes Autofahren




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Von Hans-Paul Nosko


    Hans-Paul Nosko, geb. 1957, lebt als Journalist und Glossist in Wien

    Hans-Paul Nosko, geb. 1957, lebt als Journalist und Glossist in Wien© Robert Newald Hans-Paul Nosko, geb. 1957, lebt als Journalist und Glossist in Wien© Robert Newald

    Im Bekanntenkreis zu erzählen, man sei ein PS-starkes Auto probegefahren, kommt heutzutage nicht mehr so gut an. Trotzdem gestehe ich: Ich habe es getan. Selbstverständlich in Ausübung meiner journalistischen Tätigkeit, und es war immerhin ein Elektroauto. Ein Tesla Model X, um es genau zu sagen. Nach Angaben des Herstellers "das schnellste SUV der Geschichte".

    Zwar reicht die Historie des "Sport Utility Vehicle" noch nicht allzu weit zurück, aber schnell sind sie allesamt, und ich saß nun im schnellsten. Neben mir nahm der Tesla-Mitarbeiter Platz und wies mich kurz ein: Automatikschaltung, daher mit dem linken Fuß nichts machen. Welche Fahrvariante mir am liebsten wäre? Zur Auswahl standen "Lässig", die langsamste, "Sportlich", bereits schneller, und "Von Sinnen". Ich wählte die erste Kategorie.


    Geräuschlos ging es vom Parkplatz hinaus in eine Nebenstraße des 21. Bezirks, und ich fühlte mich ein wenig wie bei meiner ersten Fahrstunde mit dem VW Käfer 1300, der über 40 PS verfügte: Nur ja nicht zu schnell, alles im Auge behalten. Obwohl: Letzteres erledigt das Auto ja eigentlich von selbst. Acht Kameras beobachten ständig das Geschehen rundherum, zwölf Ultraschallsensoren erkennen umliegende Objekte, und ein nach vorne gerichtetes Radar durchdringt laut Werksangaben nicht nur den Regen, sondern auch vorausfahrende Autos.

    Entgegen kam mir ein vergleichsweise zwergenhaftes Gefährt, das sich sofort an den rechten Fahrbahnrand drückte, als es des Riesenmobils ansichtig wurde, in dem ich saß. Vielleicht, so mutmaßte ich, hat der Tesla ja auch irgendeine Vorrichtung, die störende Dinge so anordnet, dass sein Fahrer unbehindert dahingleiten kann. Wäre eigentlich ganz praktisch, bei einem technisch möglichen "autonomen Fahren" und einer Beschleunigung von null auf hundert in etwas mehr als drei Sekunden.

    Auf meiner Floridsdorfer Teststrecke waren nur 30 Stundenkilometer erlaubt, an die ich mich peinlich genau hielt. Und auch sonst steuerte ich das Gefährt, nun ja, nicht gerade "lässig", eher mit der gebührenden Aufmerksamkeit wieder auf unseren Parkplatz zurück. Mein Beifahrer tippte auf den riesigen Bildschirm zwischen uns, die Seitentüren öffneten sich geräuschlos und ich stieg mit dem Wissen aus, eine interessante Erfahrung im Sinn des Wortes gemacht zu haben.

    Ähnlich vorsichtig fuhr ich zuletzt lediglich mit einem Peugeot 403, Baujahr 1959, der einem Freund von mir gehört. Ein wenig lauter als der Tesla, auch höchst angenehm zu pilotieren - nur beim Zufahren auf eine rote Ampel muss man rechtzeitig verlangsamen, weil die Bremsen eben nicht so schnell greifen wie bei einem Fahrzeug der heutigen Generation. Dafür hatte ich im 403er jederzeit das Gefühl, autonom zu fahren: Ich musste alles selbst tun, niemand berechnete für mich Abstände von anderen Autos, und deren Fahrer wichen nicht angstvoll aus, sondern winkten mir freudig zu.




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-10-11 16:03:41
    Letzte Änderung am 2018-10-11 16:32:02


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