• vom 12.10.2018, 17:10 Uhr

Glossen

Update: 15.10.2018, 14:42 Uhr

Glossenhauer

Was soll das Kind bitte einmal nicht werden?




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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • "Reporter ohne Grenzen" heißt nicht, dass man mit Journalisten alles machen kann.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Man will ja stets nur das Beste für den Nachwuchs. Gesundheit, Liebe, ein Dach über dem Kopf, aber kein Brett davor. Schön sollen sie es haben, die kleinen Gfraster, die einen heute dafür auch am Sonntag schon um halb sieben aus der Hapf’n hauen. Nur das Beste für die nächste Generation. Soweit das eben klappen kann, in einer sich erwärmenden Welt voller Plastikmüll in den Meeren. Naja, dann zieht man eben in die Berge auf 2000 Meter Höhe und baut dort Wein an.

Auf jeden Fall wünscht man ihnen auch, dass sie beruflich Fuß fassen können. Nur: In welcher Profession?


Das Einkommen sollte stimmen, und nicht zu gefährlich sollte es sein. Und da muss man aufpassen. Denn waren früher die riskanten Jobs Außenputzbefestiger, Hochofenarbeiter, Formel-1-Pilot, Raumfahrer, Tunnelbauer, Sprengmeister oder einfach Feuerwehrmann oder Polizist, so ist heute der wahrscheinlich riskanteste Job: Journalist. Ein Auto in Malta, eine Wohnung in der Slowakei, der eigene Hauseingang in Russland, das Donauufer in Bulgarien, das Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul oder gar ein U-Boot vor der dänischen Küste, all das sind sehr ungesunde Plätze für Journalisten.

Und vor allem für Journalistinnen. Von den sechs Mordopfern der jüngeren Vergangenheit waren vier weiblich. Ein fünftes weibliches Opfer war die Verlobte eines Journalisten. Also wird das Kind am besten nicht nur kein Journalist, sondern kennt auch keine. Und um ganz, ganz sicher zu gehen, dass dem Nachwuchs nichts passiert, sollte man darauf achten, dass es auch keine Frau wird. Wird bei Mädchen schwierig, wäre aber gescheiter.

Erstens verdienen Frauen viel weniger, und zweitens bekommen sie vielleicht auch einmal Hass-Nachrichten, die nur möglicherweise von einem der unschuldigsten Besitzer eines schlecht gehenden Bierhandels stammen und voller Penetrationsfantasien, Vergewaltigungsdrohungen und Rechtschreibfehler sind.

Und wenn die Frau das dann veröffentlicht, zusammen mit dem Namen von dem Mann, dem der Computer gehört, von dem aus solche Nachrichten verschickt worden sind, dann wird sie geklagt. Wegen übler Nachrede. Die üblere Vorrede kann leider nicht geahndet werden. Und dann verliert die Frau diesen Prozess. Aber nicht, weil der Anwalt des Klägers sich schon vor Jahren aufgrund einer gerichtlichen Anordnung dazu verpflichtet hat, nicht mehr die Titel "Professor", "Universitätsprofessor", "außerordentlicher Universitätsprofessor" oder "Leiter des Zentrums für Rechtsforschung" zu führen und also selbst ein ziemlich flexibles Verhältnis zur Wahrheit sein Eigen nennt, sondern weil die Frau es an der (Zitat aus dem Urteil) "journalistischen Sorgfaltspflicht" hat mangeln lassen.

Was aber passiert, wenn journalistisch sorgfältig gearbeitet wird? Siehe oben.

Da bin ich froh, dass ich Satiriker geworden bin. Noch dazu ein männlicher. Das ist viel sicherer. Denn ein Blick in die Geschichte zeigt: Zuerst legt man die Journalisten um. Dann all jene Menschen, die eine abweichende politische Meinung haben. Und erst an dritter Stelle die Humoristen.

Ich hab also noch ein bisschen Zeit.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-12 17:21:39
Letzte Änderung am 2018-10-15 14:42:42


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