• vom 01.11.2018, 15:59 Uhr

Glossen


Volksabstimmung

Nur eine Volksabstimmung kann das Rauchverbot noch verhindern




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (26)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Deshalb sollten die, die für rauchfreie Lokale sind, vielleicht nicht so sehr darauf drängen, eine abzuhalten.



881.692! (123 Stimmen sind ja plötzlich noch wo aufgetaucht.) Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie erleichtert ich war, als vergangene Woche das endgültige Gesamtergebnis bekanntgegeben worden ist. Oder eigentlich kann ich das schon: sehr. (Okay, das war nur ein Wort.) Sehr erleichtert war ich.

Das "Don’t smoke"-Volksbegehren hat die Hürde nicht derpackt, juhu! Was? Die automatische Volksabstimmung ab 900.000 Unterschriften soll eh erst ungefähr einen Tag vor der nächsten Nationalratswahl kommen? Frühestens? Hm. Damit die direkte Demokratie nicht die Regierungsarbeit sabotiert? (He, und wird die Latte laufend höher gelegt? Ans Bevölkerungswachstum angepasst?) Nicht, dass ich gegen ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie wäre. Sonst hätte ich nicht selber unterschrieben, oder? Aber eine Volksabstimmung? Das Ergebnis wäre rechtlich bindend, hallo? Was, wenn das Volk nicht dasselbe will wie ich? Zum Volksbegehren sind ja lediglich die hingegangen, die für rauchfreie Lokale sind, zur Volksabstimmung würden auch die anderen kommen. 5.496.518 aller Stimmberechtigten haben nicht unterschrieben. Das sind mir echt zu viele potenzielle Nein-Ankreuzer. Und die, die unterschrieben haben, haben vielleicht längst andere Probleme. (Den Migrationspakt, ob sie "Ponyzei" oder "Gaulreiter" zum "Wort des Jahres" wählen sollen . . .) Oder sie wollen einfach nicht dauernd irgendwo ein Kreuzl machen. (Zweimal in der Woche die sechs Kreuzln beim Lotto, das muss reichen.) Dann war’s das mit dem Nichtraucherschutz beim Essen. (Warum will man überhaupt jemanden schützen, der gar nicht existiert? Der Nichtraucher ist ein Mythos. Wie der Yeti. Oder das glückliche Huhn. In Österreich gibt’s bloß Raucher und Passivraucher.)


Das mit den separaten Raucherbereichen funktioniert nämlich nicht so besonders. Hab ich im Selbstversuch bewiesen. Meinen Lieblingsarbeitslosen, der sich seit seinem Herzinfarkt jeden Montag aufs Neue das Rauchen abgewöhnt, hab ich also an einem Dienstag besucht, bin im Wohnzimmer gesessen, während er in der Küche bei geschlossener Tür getschickt hat (unter der Dunstabzugshaube!), und nachher waren meine Haare trotzdem geräuchert. Jetzt sag ich nimmer: Die Wirte sollen ihre Gaskammern ruhig weiterbetreiben, na und? Kleben sie halt lauter bunte Ich-darf-nicht-hinein-Pickerln außen drauf. Wie bei der U6. Ein Ess- und Alkoholverbot? Aber wäre das nicht geschäftsschädigend? Doch. Drum wären da natürlich keine Pizzaschnitten und Flaschen durchgestrichen, sondern: eine Schwangere, ein Kinderwagen, ein Hund (wegen dem Tierschutz), eine Servierkraft (Arbeitnehmerschutz!) . . . äh, eine Kellnerin? Man lässt die Raucher in ihrem Kammerl elendiglich verhungern und verdursten? Blödsinn. Schon einmal was von Selbstbedienung gehört?

Nein, ums Rauchverbot müssen sich die Politiker kümmern. Das ist ihr Job. (Und beim nächsten Mal wird es hoffentlich kein Raucher noch vor dem Inkrafttreten austöten.) Und wenn sie ihre Arbeit lieber aufs Volk abwälzen und sich das dann "falsch" entscheidet? Müssen sie den Wählerwillen selbstverständlich respektieren und . . . eben sofort für jedes Raucher-Séparée einen hypersensiblen Rauchmelder und eine Sprinkleranlage vorschreiben. (Und wenn die Raucher Regenschirme dabeihaben?)




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-01 16:10:03


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Echt jetzt?
  2. Die neue Art, Gesellschaft zu verstehen
  3. Mein Fehler!
  4. Aus alt mach neu!
  5. Liebe mit der Erde machen
Meistkommentiert
  1. Versunkene Wortschätze
  2. Die neue Art, Gesellschaft zu verstehen
  3. Vorweihnachtszauber
  4. Theatralischer Moment mit politischem Inhalt
  5. Digitales Verdummungsverbot

Werbung




Werbung