• vom 06.12.2018, 18:59 Uhr

Kommentare

Update: 06.12.2018, 20:02 Uhr

Südafrika

Rebellion im Blut




  • Artikel
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexander U. Mathé / WZ Online




    Alles wäre seidig gelaufen, ohne Nonhle Mbuthuma. Die Firma Transworld, ein Tochterunternehmen des australischen Ressourcengiganten Mineral Commodities, hätte in Südafrika nach Titan geschürft. Die lokale Regierung hätte dem bereitwillig zugestimmt. Ein paar Ortsansässige hätten auch davon profitiert. Und ein paar Bewohner, die blöderweise ausgerechnet auf dem 22 Kilometer langen Küstenstreifen am Ostkap wohnen, wären umgesiedelt worden.

    Doch das wollte sich Nonhle Mbuthuma nicht gefallen lassen. Sie kämpfte gegen das Projekt und stellte sich somit gegen eine schier unüberwindbar scheinende Übermacht: gegen ihren Häuptling, gegen ihre Provinzregierung, gegen die Regierung in Pretoria, gegen den mächtigen Konzern und gegen viele, die sich durch die Mine bereits in Reichtum schwelgen sahen. Bereits seit 2007 laufen die Versuche, in Xolobeni eine Titan-Mine zu errichten. Unter dem an Flora und Fauna reichen naturbelassenen Gebiet sollen 350 Millionen Tonnen von dem Metall liegen. Es ist begehrt für die Produktion von Flugzeugen über Zahnimplantate bis hin zu Laptops.

    So wie Mbuthuma fürchteten viele andere auch, dass mit der Mine Bauernhöfe vernichtet und Tiere vertrieben würden, die Umwelt verschmutzt würde. Die Küstenbewohner, die bisher dem Rauschen des Meeres lauschen konnten, sahen künftige Generationen zu einem Leben in Elendsghettos verurteilt. Mbuthuma gründete gemeinsam mit anderen das Amadiba Crisis Committee, das dem Minenprojekt den Kampf ansagte. Das Komitee organisiert Proteste und versucht der Mine mit juristischen Mitteln beizukommen.

    Zehn Mitglieder der Gruppe sind Medienberichten zufolge seither unter mysteriösen Umständen umgekommen. Einer wurde beispielsweise vergiftet. Der Chef der Gruppe, ein langjähriger Freund Mbuthumas, wurde von als Polizisten verkleideten Mördern mit acht Schüssen getötet. Davor hatte er Straßenblockaden organisiert um Testbohrungen zu verhindern. Die Täter konnten bis heute nicht gefasst werden. Nach dem Tod ihres Freundes übernahm Mbuthuma die Führung der Gruppe. Obwohl ihr berichtet wurde, dass es eine Todesliste gibt, auf der auch ihr Name steht, lässt sie sich nicht einschüchtern. "Ich habe nicht Angst um mein Leben. Ich schütze auch nicht mich, sondern den Kampf", sagte sie gegenüber dem britischen Sender "BBC".

    Den Kämpfergeist hat Mbuthuma im Blut. Schon ihr Großvater hatte Ende der 1950er Jahre am Pondoland-Aufstand gegen das Apartheid-System teilgenommen, der von Regierung blutig niedergeschlagen wurde. Vor kurzem hat Mbuthuma einen Teilerfolg feiern können. Ein Gericht entschied, dass die Bedenken gegen die Mine berechtigt sind und diese daher auch nicht gebaut werden dürfe. Allerdings ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn der südafrikanische Minister für Bergbau, Gwede Mantashe, hat bereits angekündigt, in einigen Punkten gegen das Urteil berufen zu wollen. Er hat Angst, Mbuthumas Beispiel könnte Schule machen.





    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-12-06 18:46:40
    Letzte Änderung am 2018-12-06 20:02:08


    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Die Ultras sollten Hirscher schauen
    2. Dauerbrenner Migration
    3. Weinverbot für Österreich!
    4. Offene Baustellen, wechselnde Zielscheiben
    5. Jenseits von Folklore und Zahlen
    Meistkommentiert
    1. Weinverbot für Österreich!
    2. Un-Populist grüßt Populist
    3. Die Ultras sollten Hirscher schauen
    4. Es ist gar nicht kalt draußen?

    Werbung




    Werbung