• vom 14.01.2016, 18:29 Uhr

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Venezuela

Ein neuer Linker in Venezuela




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Von Alexander U. Mathé

  • Entdeckungen
  • Der Bezirksvorsteher von El Hatillo hat sich zu einem der vielversprechendsten jungen Politiker Lateinamerikas entwickelt.

David Smolansky Urosa. - © reuters

David Smolansky Urosa. © reuters

Alexander U. Mathé

Alexander U. Mathé Alexander U. Mathé

Die Familie von David Smolansky Urosa war lange Zeit ein recht guter Indikator für die Entwicklung autoritärer linker Regierungen auf der Welt. In den 1920er Jahren flohen die Großeltern aus Kiew, um der Sowjetunion zu entgehen. Als neue Heimat wählten sie ausgerechnet Kuba, wo auch Davids Vater geboren wurde. Als dort die Kommunisten das Ruder an sich rissen, flüchtete die Familie in den 1960er Jahren nach Venezuela, wo David das Licht der Welt erblickte. Dort wurde schließlich Hugo Chávez zum Verfechter des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" und besten Freund Fidel Castros. Doch David Smolansky und seine Familie zogen diesmal nicht weiter. Stattdessen beschloss der Sprössling, das politische Schicksal des Landes selbst in die Hand zu nehmen. Er schloss sich der Opposition an. Erste Erfahrungen sammelte er bereits im Alter von 21 als Studentenführer. Besonders die undurchsichtige Entführung und Ermordung von drei Brüdern im Jahr 2006, in die offenbar auch hohe Polizeibeamte involviert waren, hat ihn politisch aktiviert. Smolansky, der an der katholischen Universität Andrés Bello Kommunikationswissenschaft studierte, trat der linksgerichteten Partei Volkswille bei und arbeitete in der Presseabteilung. Der heute 30-jährige bärtige Hitzkopf avancierte schnell zu einem der prominentesten Regierungsgegner im Land. Ende 2013 wurde David Smolansky in der Hauptstadt Caracas zum Bezirksvorsteher von El Hatíllo gewählt. In diesem vornehmen Teil der Stadt herrschte die höchste Entführungsrate pro Kopf von ganz Venezuela. Doch Smolansky ließ neue Sicherheitskonzepte entwickeln, die dazu führten, dass nach zwei Jahren die Rate deutlich sank. Inzwischen gibt es um mehr als 70 Prozent weniger Entführungen in El Hatíllo als bei Smolanskys Amtsantritt. Das dürfte wohl mit ein Grund dafür sein, dass er sich außerordentlicher Beliebtheit erfreut. Einer Umfrage zufolge liegt er irgendwo bei 80 Prozent Zustimmung unter den Bewohnern. Heute gilt der Mann, der inzwischen der politische Koordinator seiner Partei ist, als einer der vielversprechendsten jungen Politiker Lateinamerikas. Bei den Parlamentswahlen im Dezember wurde er als Abgeordneter in die einzige Kammer des venezolanischen Parlaments - die Nationalversammlung - gewählt. Er ist Teil des zur Regierung oppositionellen Wahlbündnisses, Tisch der Demokratischen Einheit, das die Wahlen gewann und nun danach trachtet, Chávez-Nachfolger Nicolás Maduro abzusetzen. Smolansky ist auch der Junior Chamber International (JCI) aufgefallen, einer der größten Jugendorganisation der Welt, zu deren Mitgliedern unter anderen Jacques Chirac, Bill Clinton, Kofi Annan oder auch Albert II von Monaco gehören. Die JCI zeichnete Smolansky als einen der zehn herausragendsten jungen Menschen der Welt aus, die einen nachhaltigen Einfluss auf ihre Umgebung ausgeübt haben.





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Dokument erstellt am 2016-01-14 18:32:11


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