• vom 17.02.2017, 17:42 Uhr

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Istrien

Weinstreit unter Nachbarn




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Von Martyna Czarnowska

  • East Side Stories
  • Eine Produktbezeichnung sorgt für Zwist zwischen Slowenien und Kroatien - doch dahinter dürften andere Spannungen stecken.



Eisenhaltig ist der Boden, kräftig die Rebe, die dort gedeiht. Seit Jahrhunderten wird der Wein Teran, benannt nach der roten Erde (terra rossa) Istriens, auf der Halbinsel angebaut. In der Fachliteratur hat er seinen fixen Platz, und selbst in Gedichte hat er Eingang gefunden. Doch nun steht er im Mittelpunkt eines nachbarschaftlichen Streits. Slowenien und Kroatien ringen um die Verwendung des Namens "Teran".

Rechtlich ist Slowenien im Vorteil: Die Ursprungsbezeichnung ist geschützt; der Rotwein ist also ein anerkanntes slowenisches Produkt. Doch die Karstböden machen an der Grenze mit Kroatien, zu dem der größte Teil Istriens gehört, nicht halt. Dort wird ebenfalls Teran angebaut, und so mancher Weinbauer schreibt das auch weiterhin auf das Flaschenetikett. Das sei aber eine Verletzung der Regeln, befand Slowenien und beschwerte sich bei der EU-Kommission.


Die Brüsseler Behörde versucht seit einiger Zeit zu vermitteln und machte nun einen Vorschlag zur Güte. Auch die Kroaten sollen demnach den Namen "Teran" verwenden dürfen, allerdings nicht als Bezeichnung für den Wein, sondern ausschließlich für die Rebe - und das nur bei einem Produkt aus einem bestimmten Gebiet von rund 300 Hektar.

Sogar diese Ausnahme geht der slowenischen Regierung aber zu weit. Sie schickte erneut einen Beschwerdebrief an die Kommission. Schon steht auch die Drohung einer Klage gegen die Behörde im Raum.

Hinter dem aktuellen Weinstreit dürften allerdings andere Zwistigkeiten stecken. Einer der bekanntesten ist der Konflikt um die Bucht von Piran. Die beiden ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken beanspruchen das Gebiet vor dem slowenischen Küstenort jeweils für sich. Es geht dabei nicht zuletzt um den Zugang zu internationalen Gewässern und um Fischereirechte. Wegen des Grenzstreits hat Slowenien die EU-Beitrittsverhandlungen mit dem Nachbarland verzögert; bis heute ist der Zwist nicht ausgeräumt. Ein Schiedsverfahren, auf das sich die Länder unter Mühen verständigt haben, stockt immer wieder. Dass das Gericht die Arbeit heuer wieder beschleunigen will, könnte dazu beigetragen haben, die Spannungen nun auf das Tauziehen um den Teran zu übertragen.

Abgesehen davon ist es keine Seltenheit, dass Ursprungsbezeichnungen für Zank sorgen. Österreich beispielsweise, das die Wachauer Marillen oder den Tiroler Speck schützen ließ, hatte Bedenken, als die Slowenen ihre "kranjska klobasa" als landestypische Angabe anerkennen lassen wollten. Doch dann wurde festgelegt, dass die Österreicher weiterhin Käsekrainer essen dürfen. Italien wiederum führte einen Feldzug zum Schutz der Identität des Prosecco, und die Franzosen rangen um die Anerkennung von Camembert oder Cognac.

Es gibt übrigens die Möglichkeit, eine Ursprungsbezeichnung grenzüberschreitend zu fixieren. Sie wird nicht oft genutzt. Doch eines der wenigen Beispiele ist ausgerechnet in Istrien zu finden. Kroatien und Slowenien einigten sich darauf, Rohschinken gemeinsam schützen zu lassen. Den kleinen Unterschied macht ein Buchstabe aus: Diesseits der Grenze wird "istrski prsut" serviert, jenseits "istarski prsut".




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Dokument erstellt am 2017-02-17 17:47:03


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