• vom 19.01.2018, 19:09 Uhr

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Boykottieren, was man nicht sehen will




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Von Christina Böck

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"Ich habe eine sehr gute Menschenkenntnis, und deswegen mag ich keine Menschen", sagt Roseanne Barr einmal in der nach ihr benannten TV-Serie. Da spielte sie in den 90ern die schwarzhumorige Dicke mit dem noch ein bisschen dickeren Mann und den drei Kindern, bei deren Abschied sie zum Gatten sagte: "Sie sind weg, schnell, tausch die Schlösser aus." Was die Sendung aus der damaligen Flut der Humorserien hervorwogen ließ, war das Milieu. Barr, in den 80ern mit schnoddriger Stand-up-Comedy berühmt geworden, holte die Sitcom in die Arbeiterschicht. Sie zeigte eine Nation der niedrigen Löhne, der verwordagelten Familienverhältnisse und der billigen Fettmacher-Großpackungen. Und das alles mit einer ignoranten Großmäuligkeit, die gerade noch erträglich war.

Im März kommt, 21 Jahre nach der letzten Folge, eine Neuauflage ins US-TV. In diesen 21 Jahren hat Roseanne aber nicht nichts gemacht. Sie ist etwa bei der Wahl zum US-Präsidenten angetreten, und sie hat Sympathie für den derzeit regierenden Präsidenten bekundet. Deshalb hat sich nun eine Boykott-Bewegung formiert, die befürchtet, dass aus der TV-Familie ein rassistisches Pack von Trump-Fans geworden ist.


Die Ironie dabei: Genau das wäre die konsequente Weiterentwicklung - denn eben solche White-Trash-Familien haben Donald Trump Stimmen geschenkt. In der TV-Landschaft, die noch immer nicht gerade übergeht vor Stoffen aus diesem Gesellschaftsteil, wäre das ein wichtiger Beitrag, auch einmal die andere Seite zu verstehen. Dafür müsste man freilich den politisch korrekten Balken kurz aus dem Auge nehmen.




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Dokument erstellt am 2018-01-19 19:14:05



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