• vom 30.01.2018, 17:23 Uhr

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Update: 30.01.2018, 19:55 Uhr

Hauptstadtszene

Sechs Tipps für die Gegenwart




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Von Walter Hämmerle

  • Hauptstadtszene
  • Angewandte kritische Vernunft kann aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit führen.



In aufgeregten Zeiten, und wir leben in furchtbar aufgeregten Zeiten, fällt es einem schwer, Richtiges von Falschem, Vernünftiges von Unvernünftigem zu unterscheiden. Deshalb eine kleine Orientierungshilfe, wenn gerade wieder einmal alle wild durcheinanderschreien.

1. Erlaubt ist alles, was nicht verboten ist

Das ist quasi das Heilige Gebot des Liberalismus und des Rechtsstaats in einem Satz. Und wie bei fast allen Geboten fällt es Menschen nicht leicht, sich daran zu halten, wenn sich andere als die eigenen Gesinnungsfreunde auf diese Ur-Freiheit berufen. Allerdings wurde der Grundsatz genau aus dieser Überlegung heraus begründet.

2. Wer nach Verboten ruft, kann morgen selbst davon betroffen sein

Die Kunst der Dialektik fristet schon seit längerem ein bedauerliches Nischendasein. Sätze, die mit "einerseits" beginnen und mit "andererseits" fortgesetzt werden, sind den Machern der allgegenwärtigen Talkshows ein besonderes Gräuel. Das ist ausgesprochen schade, weil der Besitz eines dialektischen Denkvermögens durchaus zu überraschenden Einsichten verhelfen kann. Etwa zu jener, dass, wer Unliebsames am liebsten immer und überall verbieten möchte, zu anderen Zeiten und unter anderen Umständen selbst zum Opfer solcher Verbotsideen werden könnte. Oder einfacher formuliert: Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.

3. Eine Behauptung ist keine Tatsache

Apropos Talk- und sonstige Politikshows: Nur weil jemand etwas behauptet, muss dieses Etwas noch lange nicht stimmen. Dieser Grundsatz ist so offensichtlich, dass er eigentlich selbstverständlich sein sollte. Ist er aber nicht. Aus unerfindlichen Grünen verknüpfen viele Menschen Glaubwürdigkeit mit persönlicher oder politischer Sympathie. Ein schwerer Fehler.

4. Unsere Welt ist nun einmal kompliziert

Irgendwann haben wir angefangen, denen am liebsten zuzuhören, die die einfachste Lösung für ein Problem parat haben. Dass diese Leute recht haben, ist nicht völlig ausgeschlossen. Als Richtschnur darf gelten: Wenn schon viele an der Lösung gescheitert sind, ist eine Lösung vielleicht doch nicht so einfach.

5. Vorsicht, wenn die Antwort nichts mehr mit der Frage zu tun hat

Ein Klassiker der manipulierenden Rhetorik. Wenn Entscheidungsträger oder sonstige Personen des öffentlichen Interesses auf kritische Fragen etwas ganz anderes antworten, stimmt etwas nicht. Einzige Ausnahme: jenseitige Fragen, wie sie vom Sport- auf den Politikjournalismus überzugreifen drohen.

6. Obacht, wenn auf jede Frage die gleiche Antwort folgt

Rhetorik-Klassiker Numero zwo. Ansonsten alles wie bei Punkt 5.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-30 17:26:11
Letzte nderung am 2018-01-30 19:55:28



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