• vom 02.02.2018, 17:02 Uhr

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Abseits

Schafft man auch die Cheerleader ab?




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Von Christian Mayr




    Wenn Sonntagnacht die Super Bowl angepfiffen wird, sind sie in ihren kurzen Röckchen, mit den auftoupierten Frisuren, den glitzernden Pompons und einstudierten Choreografien integraler Bestandteil der "Greatest Show on Earth": die Cheerleader. Sie abzuschaffen, würde bei den Fans der nordamerikanischen Football-Liga (und nicht nur dort) einen Proteststurm auslösen, gegen den die Empörung über Hymnen-Kniebeugen ein laues Sommerlüfterl wäre. Warum nun ausgerechnet der neue US-Eigentümer der Formel1, Liberty Media, die "Grid Girls" - also die mitunter äußerst redundant bekleideten Startnummernhalterinnen - abschafft, bleibt ein Rätsel. Selbst wenn man lange darüber diskutieren könnte, ob derlei Frauen-Aufputz tatsächlich sexistisch ist oder nicht, so ist die Rechnung der Formel-1-Eigner gewiss falsch. Denn zu sagen, "dieser Brauch" sei für ihre "bisherigen und künftigen Fans in aller Welt" nicht mehr passend, konterkariert die bisher ausgegebene Strategie, der Motorsport-Königsklasse wieder das einstige Image von Draufgängern in fahrenden Kisten samt großem Show-Brimborium zurückzugeben. Mit den "Grid Girls" kappt man eine Wurzel - statt das Ganze modern zu interpretieren (wie man es mit den Dirndlkleidern am Red-Bull-Ring nahezu perfekt vorexerziert hat). Und der ohnedies seit Jahren harte Zeiten durchmachende Formel-1-Fan wird sich fragen, ob das überhaupt noch ein Produkt ist, das er konsumieren will. Und fürchten, dass bald leise E-Boliden im Kreis fahren oder Mineralwasser statt Champagner verspritzt wird. Zeitgeistig oder zeitlos - die Formel 1 muss sich entscheiden.

    Beim Super Bowl käme niemand auf den Gedanken, etwas verändern zu müssen. Das sehen die Cheerleader wohl auch so.





    Schlagwörter

    Abseits, Formel 1, Grid Girls

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    Dokument erstellt am 2018-02-02 17:08:16



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