• vom 04.05.2018, 12:00 Uhr

Kommentare


Kommentar

Wunden lecken statt aufräumen




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Judith Belfkih

  • Kommentar



Es war ein stürmischer Frühling. Zumindest in Stockholm, genauer gesagt in der Schwedischen Akademie, der Jury des Literatur-Nobelpreises. Vorwürfe der sexuellen Belästigung und der Korruption stehen und standen im Raum. Das Durchsickern von Preisträgern vor deren Bekanntgabe musste die Akademie sogar selbst einräumen - auch wenn man das Leck noch nicht gefunden haben will. Die zahlreichen Rücktritte, die darauf folgten und die Jury an den Rande der Handlungsfähigkeit brachten, wirbelten zusätzlich Staub auf. Schließlich schaltete sich Schwedens König ein und ergänzte das Regelwerk um ein Rücktrittsrecht der eigentlich auf Lebenszeit berufenen Mitglieder.

Dass die Akademie neu organisiert und aufgestellt werden muss, steht außer Zweifel. Dass es Zeit brauchen wird, um die angeknackste Reputation der Institution und des Preises wieder herzustellen, ebenfalls. Dass der Akademie daran gelegen ist, Zeit zu gewinnen und womöglich sogar Gras über die Krater der Krise wachsen zu lassen, mag verständlich sein. Warum man dafür eineinhalb Jahre braucht, ist schon schwerer nachzuvollziehen. Bis zur Kür des nächsten Preisträgers im Herbst wäre noch ein halbes Jahr Zeit. 2018 keinen Preis zu vergeben und 2019 dafür zwei - diese Entscheidung wirft mehr Fragen auf, als sie löst. Hier Entschlossenheit zu zeigen, die Akademie jetzt neu aufzustellen und nach vorne zu blicken, hätte jedenfalls stärkere Signalwirkung - als sich zurückzuziehen und genüsslich die eigenen Wunden zu lecken.





Schlagwörter

Kommentar, Feuilleton

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-04 12:06:37


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ein ganz besonderes Pickerl
  2. Rapid gegen den Rest des Landes
  3. Rittern um die Zeitgenossen
  4. Schweig, Miststück!
  5. Wer - wenn nicht James Bond?
Meistkommentiert
  1. Schweig, Miststück!
  2. Qualitätsförderung ist dringend nötig
  3. Grausen vor dem Gammelgurkerl
  4. Medialer Gegenschlag

Werbung




Werbung