• vom 07.05.2018, 15:59 Uhr

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Die Schuld, die in der Sprache lebt




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Von Judith Belfkih

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Zeitzeugen - das sind nicht nur Menschen. Vor allem, wenn das zu bezeugende Ereignis bereits eine ganze Lebensspanne in der Vergangenheit liegt. Auch Sprache ist eine überaus mächtige Zeitzeugin, ihr Gedächtnis überdauert mitunter Generationen. Auch wenn die Bedeutung von im historischen Kontext entstandenen Begriffen und Phrasen in Vergessenheit geraten ist.

Der aktive und auch passive Wortschatz vieler Österreicherinnen und Österreicher ist nach wie vor von Redewendungen durchzogen, die das NS-Regime gezielt nutzte, um seine Propaganda möglichst massenwirksam zu inszenieren und Antisemitismus zu schüren. Sprache schafft Realität, das wussten auch die Spin-Doktoren der 1930er Jahre. Dazu sind nicht immer Wortschöpfungen notwendig, auch bestehende Begriffe lassen sich neu Aufladen. "Durch den Rost fallen", "bis zur Vergasung", "eine Sonderbehandlung zukommen lassen" - die ideologisch eingefärbten Spuren, die das NS-Regime in der Gegenwartssprache hinterlassen hat, sind zahlreich. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka will sie nun mit einem Forschungsprojekt aufspüren, um einen sorgsameren Umgang mit "belasteter Sprache" herbeizuführen. Dass das nötig ist, zeigt die Tatsache, dass sich so manche Formulierung - meist ohne Wissen der Anwender um den NS-Hintergrund - in die Alltagssprache eingeschlichen hat.


Denn auch für das Unrecht, das diesen Worten nach wie vor anhaftet, gilt: Es erlischt nicht mit der bloßen Unwissenheit.




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Kommentar, Feuilleton

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Dokument erstellt am 2018-05-07 16:06:42


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