• vom 24.06.2011, 15:00 Uhr

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Update: 24.06.2011, 17:10 Uhr

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Banken im Stress




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Von Reinhard Göweil

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Rund um die Schuldenkrise verschieben sich nun wieder die Gewichte, die Banken kommen erneut stärker ins Gerede. Für Österreich besonders unangenehm ist der Absturz der Unicredit-Aktie. Die italienische Großbank ist Eigentümerin der Bank Austria, sie soll beim sogenannten Stresstest nicht so gut abgeschnitten haben. Unicredit hat zudem Aktionäre, die bei Kapitalerhöhungen nicht mitziehen können. Weder die norditalienischen Sparkassenstiftungen verfügen über ausreichend Kapital noch Libyen, das mit 7,6 Prozent immerhin zweitgrößter Aktionär der Bank ist. Jedenfalls ist diese Situation beunruhigend genug, heimische Politiker sollten daher besonders aufmerksam nach Italien blicken.

Denn die europäischen Banken werden sich wohl am zweiten Hilfspaket für Griechenland beteiligen, die Rede ist von zirka 30 Milliarden Euro. Deutsche Banken sind dazu bereit, französische werden vom Elysee-Palast recht deutlich zur Teilnahme geschubst. Die italienischen Banken tun sich schon schwerer - angesichts ihrer niedrigen Kapitaldecke.


Dazu kommen noch die diversen Bankenabgaben in verschiedenen europäischen Ländern.

Mit den Banken aber allzu viel Mitleid zu haben ist nicht angebracht. Sie tragen ihre Verantwortung an der gegenwärtigen Misere. Selbst Banken, die nicht selbst toxische Finanzprodukte entworfen haben, machen nämlich beim einträglichen Geschäft mit.

Was als Nächstes kommen wird, ist eine verschämt "Konsolidierungsrunde" genannte weitere Konzentration in der Bankenbranche. Und wenn dabei Jumbos wie die Unicredit übernommen werden sollten, wandert auch die Bank Austria mit.

Eine solche weitere Konzentration ist für Bankkunden unangenehm, weil der Wettbewerb schwächer wird. Er ist auch für die Regierungen mit einiger Skepsis zu betrachten, denn noch größere Banken schaffen im Ernstfall noch größere Probleme. Die Debatte "too big to fail" ist noch nicht sehr lange her.

Die Europäische Zentralbank und die Aufsichtsbehörden sollten daher in nächster Zukunft nicht nur auf Griechenland starren, sondern gut aufpassen, was sich in der internationalen Banken-Szene abspielt. Denn dies wird - eher über kurz als lang - massive Auswirkungen auf alle Bürger haben.




Schlagwörter

Leitartikel, Wirtschaft


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Dokument erstellt am 2011-06-24 15:05:03
Letzte Änderung am 2011-06-24 17:10:25


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