• vom 09.01.2018, 16:27 Uhr

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Update: 09.01.2018, 16:59 Uhr

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Science Fiction lebt




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Von Alexandra Grass

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"Papa anrufen", lautet das Kommando an die Sprachassistentin Siri, das unmittelbar in die Tat umgesetzt wird. Was als spaßiger Versuch eines Teenagers gesehen werden kann, ist bitterer Ernst. Wer noch immer nicht glaubt, dass wir längst in der Welt der Digitalisierung angelangt sind, muss dieser Tage nur nach Las Vegas schauen, wo die Consumer Electronics Show (CES) als Leistungsschau des Silicon Valley die Zukunft zeigt. Hier rittern die IT-Riesen mit ihren smarten Assistenten um die Gunst der Kunden. Im zweiten Quartal 2018 soll "Smart Glass" den Markt erfrischen und seinen Trägern Informationen aufs Brillenglas projizieren. Geräte kommunizieren via Bluetooth, Kühlschränke liefern Rezeptvorschläge, Duschen folgen den Anweisungen ihrer Benutzer.

Die Künstliche Intelligenz ist schneller in den Alltag vorgedrungen, als es uns vielleicht lieb ist. Noch vor zwei Jahren wusste kaum jemand, was digitale Assistenten überhaupt sind. Im Advent 2017 waren Alexa & Co. praktisch ausverkauft.


Schon in den kommenden Jahren könnte die Entwicklung so verlaufen, dass ohne sprachgesteuerte digitale Assistenten immer weniger funktioniert. Ähnlich wie Smartphones normale Handys vom Markt gefegt und ein neues System der Erreichbarkeit etabliert haben, bringen die Sensoren, Mikrofone und Lautsprecher von heute ein neues System von technischen Notwendig-
keiten ins Haus.

Doch wohin diese neue Welt steuert, lässt sich nur ansatzweise erahnen - ob Fluch oder Segen, ist völlig unklar. Wir werden Achtsamkeit an den Tag legen müssen, wenn Systeme unseren Alltag erfassen, unsere Gewohnheiten speichern oder sich mit Hilfe der unter dem Deckmantel der Wissenschaft regelrecht explodierenden Datensammelmaschinerie in medizinischer Diagnostik versuchen. Sind wir noch Menschen, oder bereits ein Sammelsurium an Datenpunkten, das Überwachung und Kontrolle ausgesetzt ist? Müssen wir uns noch bewegen? Müssen wir denken? Das Gehirn verlernt, was es kann, sendet weniger Kommandos an Muskeln und Skelett, was die Psyche mit Depressionen quittiert. Satt und untätig erleiden wir Mangelerscheinungen, die das Gesundheitssystem vor Herausforderungen stellen. Smarte Assistenten scheinen keinen großen Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten. Science Fiction, wie sie im Buche steht - sofern es das überhaupt noch geben wird.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-09 16:33:06
Letzte ─nderung am 2018-01-09 16:59:14



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