• vom 02.03.2018, 17:04 Uhr

Leitartikel

Update: 02.03.2018, 17:18 Uhr

Leitartikel

Was wirklich wichtig ist




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (25)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Walter Hämmerle

  • Leitartikel

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung". Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Italien, dieser seit Jahrzehnten wankende, aber nicht fallende Riese der EU, wählt an diesem Wochenende ein neues Parlament. Es ist nicht auszuschließen, dass danach die schlummernde, aber längst nicht bewältigte Eurokrise in die nächste dramatische Runde geht.

Gleichzeitig droht die Welt in einen Handelskonflikt globalen Ausmaßes zu taumeln. Einfach nur, weil eine Truppe Glücksspieler im Weißen Haus jetzt die Möglichkeit dazu hat und sich die Freiheit nimmt, Chaos zu stiften.


Und schließlich wartet Europa gebannt auf das Ergebnis der Urabstimmung unter den SPD-Mitgliedern über eine Neuauflage der großen Koalition in Berlin. Mit einem knappen Ergebnis ist zu rechnen, weshalb es durchaus möglich erscheint, dass am Montag der Stabilitätsanker der Europäischen Union in eine veritable politische Krise stürzt.

In Österreich wurde jedes dieser Megathemen für Europa und den Westen an den Rand gedrängt. Und das nicht von einer Regionalwahl im Süden der Republik, deren Ergebnis Daumen mal Pi kaum für Überraschungen sorgen wird. Tatsächlich diskutierte praktisch die gesamte poltisch-mediale Klasse am Freitag die Entscheidung einer ehemaligen Parteichefin, deren Bewegung nicht mehr im Parlament vertreten ist, künftig beruflich für einen privaten österreichischen Glücksspielkonzern zu arbeiten, der sich schon lange im Visier eben dieser Partei befindet.

Diese Nachricht von Weltgeltung verbreitete sich binnen Minuten in sämtliche Nachrichtennetzwerke. In Stundenfrist durchliefen die Stimmungen alle denkmöglichen Stadien - von der Empörung bis zur Satire - auf allen erdenklichen Ebenen - über die Realpolitik zur Metapolitik und wieder zurück. Woraufhin die ehemalige Parteichefin ihren Parteiaustritt erklärte.

Es ist immer heikel, sich über Angelegenheiten zu erheben, die anderen lieb und teuer sind. Und natürlich passt das Handeln der ehemaligen Spitzenpolitikerin ganz wunderbar in die gehypte Erzählung von der Korrumpierung aller Politik, also auch jener, deren Markenkern in der Behauptung besteht, anders als die anderen zu sein. Und, ja, selbstverständlich, ist Politik kein Beruf wie jeder andere, weil es eben hier um politische Werte und persönliche Glaubwürdigkeit geht.

Trotzdem ist nichts an den Ereignissen rund um die ehemalige Parteichefin einer ehemaligen Parlamentspartei neu oder weltbewegend. Deshalb bleibt eines der wesentlichsten Probleme des Homo politicus austriacus seine beschränkte Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und sein Denken und Handeln danach auszurichten. Das wird uns noch einmal auf den Kopf fallen.




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-02 17:08:37
Letzte Änderung am 2018-03-02 17:18:31


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Substanz vor Form
  2. Schwarz-Blau verlässt rot-weiß-roten Erfolgsweg
  3. Freiheit für Uber & Co!
  4. Bayerische Selbstzerstörung
  5. Weltallerbestes
Meistkommentiert
  1. Freiheit für Uber & Co!
  2. Bayerische Selbstzerstörung
  3. Merkel, Milliarden und Migranten
  4. Die harte Aufgabe wartet
  5. Recht gegen Volk

Werbung




Werbung