• vom 04.07.2018, 18:35 Uhr

Leitartikel

Update: 04.07.2018, 18:43 Uhr

Krieg

Retten, was zu retten ist




  • Artikel
  • Kommentare (5)
  • Lesenswert (26)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Thomas Seifert

  • Leitartikel

Thomas Seifert ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Thomas Seifert ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung".© WZ Thomas Seifert ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung".© WZ

Der Dreißigjährige Krieg zwischen Katholiken und Protestanten verwüstete Europa zwischen 1618 bis 1648, der gegenwärtige Krieg zwischen Schiiten und Sunniten hat nach der US-Invasion den Irak umtost und ist zu Stellvertreterkriegen in Syrien und im Jemen metastasiert. Dieser Konflikt, der bis ins Jahr der Schlacht von Karbala im Jahr 680 zurückreicht, ist also ein wahrhaft epischer Konflikt.

Diese Dimension war US-Präsident Barack Obama bewusst, als er grünes Licht dazu gab, im Jahr 2015 in Wien das Atomabkommen zwischen dem Iran und den USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Russland und China zu unterzeichnen. Eine Nuklearisierung dieser Region wäre ein geopolitischer Albtraum gewesen.


Der Ausstieg Donald Trumps aus diesem Abkommen lässt die nukleare Gefahr in der Region wiederauferstehen. Der Iran und alle anderen Vertragspartner möchten am Abkommen festhalten, Trump stellt aber US-Sanktionen gegen Unternehmen, die mit dem Iran Geschäfte machen wollen, in den Raum.

In Wien, dem Ort der Unterzeichnung des Atomabkommens, wollte der iranische Präsident Hassan Rohani nun retten, was zu retten ist. Die Atomvereinbarung sei wichtig für den Iran, die EU und die gesamte Welt, sagte er. Seine Regierung sei bereit, sich auch ohne die USA weiterhin daran zu halten - wenn nur der Iran weiterhin davon profitieren könne. Am Freitag wollen die Außenminister der Unterzeichnerstaaten Iran, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China in Wien darüber beraten, wie man das Abkommen am Leben hält.

Die von Trump ins Spiel gebrachten unilateral verhängten US-Sekundärsanktionen gegen Unternehmen, die mit dem Iran Handel treiben wollen, sind völlig inakzeptabel. Die internationale Staatengemeinschaft kann es nicht hinnehmen, dass Donald Trump das Gesetz des Dschungels dem Völkerrecht vorzieht. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat also in seiner Kritik an diesen von den USA angedrohten Maßnahmen recht und auch damit, wenn er sagt, dass Österreich sich als zentraler Verhandlungsort dem Fortbestand des Atomabkommens verpflichtet sehen muss. Dass Kanzler Sebastian Kurz sich gleichzeitig um exzellente Beziehungen zu Irans Erzfeind Israel bemüht hat und das Existenzrecht Israels auch gegenüber Rouhani betont, stärkt Wiens Position als ehrlicher Makler. Aber wie will man Trump in dieser Sanktions-Causa in die Schranken weisen?
Den Verhandlern war 2015 bewusst, dass am Ende ein "great bargain" mit dem Iran stehen muss - also ein Deal, bei dem alle Konflikte zwischen dem Iran und den arabischen Ländern sowie Israel auf den Tisch kommen. Für ein solches Abkommen war es 2015 zu früh. Drei Jahre später ist es dazu zu spät.




Schlagwörter

Krieg, Irak, Syrien

5 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-04 18:40:46
Letzte Änderung am 2018-07-04 18:43:02


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Ultras sollten Hirscher schauen
  2. Die Lust am "Augen zu"
  3. Globale Regeln, lokales Werk
  4. Die "Gelben Westen"
  5. Die Büabalan, die Madalan, die måchn Purzigagalan . . .
Meistkommentiert
  1. Weinverbot für Österreich!
  2. Kein Bruch mit der Merkel-Ära
  3. Allgemeine Verunsicherung
  4. Was kümmern uns Gesetze und Verträge?
  5. Mörderisch ökologisch

Werbung




Werbung