• vom 08.08.2018, 15:50 Uhr

Leitartikel

Update: 14.08.2018, 16:26 Uhr

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Ein Wimpernschlag




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Von Petra Tempfer

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Durch das dicht bewaldete Hinterland südlich von Wien streiften Nashörner, und in der einen oder anderen Bucht des Wiener Beckens, damals von einem Meer erfüllt, lauerte ein Alligator auf seine Beute. Am Westufer formten sich Mangrovenwurzeln zu einem bizarren Wall. Bis vor etwa 14,5 Millionen Jahren herrschte in Österreich subtropisches Klima. Die mittlere Jahrestemperatur lag bei rund 20 Grad Celsius, und nicht einmal im Winter gab es Minusgrade. Auch weltweit waren die Temperaturen um einiges höher als heute. Die Meere Europas erhitzten sich auf bis zu 27 Grad.

Bis zur Entstehung des Menschen, des Homo sapiens, sollte aber noch viel Zeit vergehen. Er ist seit rund 300.000 Jahren fossil belegt und durchlebte somit die bis jetzt letzte Eiszeit vor rund 115.000 bis 10.000 Jahren.


Das Klima hat sich schon immer verändert. Eine wesentliche Rolle spielte und spielt dabei die Menge des kursierenden CO2, das die Wärmestrahlen absorbiert, die von der Erdoberfläche, den Wolken und der Atmosphäre selbst abgestrahlt werden. Die Geschichte der Erde von ihrer Entstehung vor 4,6 Milliarden Jahren bis heute ist geprägt vom Klimawandel. Arten verschwanden, neue konnten entstehen. Erst das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren gab den Säugetieren die Chance, Lebensräume, die die Dinosaurier 170 Millionen Jahre lang dominiert hatten, zu erobern und sich auszubreiten. Damals verdunkelte die gigantische Staubwolke eines Meteoriteneinschlags den Himmel. Erst wurde es sehr kalt, dann sehr heiß. Die Säugetiere, die mausgroß und nachtaktiv waren und in Erdhöhlen lebten, konnten schon immer besser mit Temperaturschwankungen umgehen - und überlebten.

Der Mensch ist vermutlich die erste Art, die die nächste Klimaerwärmung selbst vorantreibt. Die durch ihre herausragende Intelligenz und Lernfähigkeit und ihr Geschick zwar Immenses geschaffen hat, aber auch so weit geht, die fossilen Reserven zu verbrennen. Statt vorsichtig und weise mit dem Nährstoff-Reichtum zu wirtschaften, produziert der Mensch auf Kosten der Umwelt im Überfluss und wirft den Rest weg. Durch seinen Egoismus und seine Gier erkennt er nicht, wann es genug ist. Und dass er sich damit selbst zerstört.

Die Erde wird sich weiter regulieren. Nutzt der Mensch seine Intelligenz nicht, um dem Klimawandel entgegenzuwirken und gleichzeitig Anpassungsstrategien an diesen zu kreieren, wird das Zeitalter des Menschen auf der geologischen Zeitskala nicht mehr als ein Wimpernschlag bleiben. Ein misslungener Versuch der Natur. Überleben werden in jedem Fall jene Arten, die sich schon immer am besten an jede neue Situation anpassen konnten: die Einzeller, mit denen das Leben einst begann.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-08 15:59:27
Letzte Änderung am 2018-08-14 16:26:34


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