• vom 20.10.2008, 18:13 Uhr

Porträts

Update: 20.10.2008, 18:14 Uhr

Schon zu Lebzeiten eine Legende

Herbert Turnauer




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  • (apa/kle) Das hätte sich Herbert Turnauer zu Lebzeiten sicher nie gedacht - dass seine Tochter, Christine de Castelbajac, die von ihm gegründete Constantia Privatbank eines Tages an den Rand des Ruins bringt und nur ein Notverkauf das noble Wiener Bankhaus rettet. Fast neun Jahre nach seinem Tod ist das nun jedenfalls die bittere Wahrheit.

Herbert Turnauer
(1907 - 2000). Foto: apa

Herbert Turnauer

(1907 - 2000). Foto: apa
Herbert Turnauer

(1907 - 2000). Foto: apa

Als Turnauer am 8. Jänner 2000 im Alter von 92 Jahren starb, ging einer der letzten großen Industrie-Patriarchen, die das Land hervorgebracht hat. Der Parade-Industrielle startete nach dem zweiten Weltkrieg, aus der Tschechoslowakei vertrieben, in Österreich neu durch. Das von Turnauer industriell umgesetzte Patent für wasserlösliche Lacke, mit dem er die Stollack in Mödling bei Wien gründete, prägt auch heute noch die Regale in allen Heimwerkermärkten.

Der Deutsch-Prager Turnauer - er wurde am 29. Juli 1907 geboren - stammte aus einer Industriellenfamilie, die in der Tschechoslowakei eine der größten Farben- und Lackfirmen, Turm & Beschke, besaß. Er begann in Mödling, in der aufgekauften Firma Peter Stoll, mit einem Hilfsarbeiter und einem Chemiker, dem hochbegabten Erfinder Herbert Höhnel. Der von diesem entwickelte wasserlösliche Lack war die Basis für die später an Hoechst verkaufte Firma Stollack (später Vianova), auf der Turnauer mit der Constantia-Gruppe (inklusive Bank) den größten österreichischen Privatkonzern aufbaute.


Turnauer kaufte und gründete ein Unternehmen nach dem anderen. Als er starb, hatte die Constantia Industrieholding fast 50 Werke im In- und Ausland. Die Vorgabe des "Workaholics", der auch im hohen Alter noch täglich in der Zentrale am Wiener Opernring vorbeischaute, an seine Manager war: "Wachstum aus eigener Kraft - jährlich 10 Prozent mehr Umsatz und 15 Prozent mehr Ertrag." Dabei galt stets: "Wir nehmen nur soviel Risiko und Kredit, dass wir nie pleite gehen können."

Gerüchteweise soll Turnauer seinerzeit auch Jörg Haider und dessen FPÖ finanziert haben.




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Dokument erstellt am 2008-10-20 18:13:39
Letzte Änderung am 2008-10-20 18:14:00


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