• vom 04.01.2008, 20:26 Uhr

Porträts


Ein Schleppliftwart mitten in Wien: Michael Schmidt




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Andrea Katschthaler

  • "Wiener der Woche" ist seit 14 Jahren auf der Hohe-Wand-Wiese.
  • 400-Meter-Piste ist das Skiparadies der Wiener Pensionisten.
  • Wien. Wer zum Skifahren von Hütteldorf den Postbus zur Hohe-Wand-Wiese mitten im 14. Bezirk nimmt, bekommt zwar nur 102 Meter Höhenunterschied auf einer einzigen Skipiste, dafür aber die älteste Kunstschneepiste Österreichs, eine Skischule und sogar Flutlicht am Abend. Und eine offizielle FIS-Strecke ist die Hohe-Wand-Wiese auch.

Herr über den Stoppschalter: Michael Schmidt. Foto: Krieger

Herr über den Stoppschalter: Michael Schmidt. Foto: Krieger

Herr über den Stoppschalter: Michael Schmidt. Foto: Krieger

Herr über den Stoppschalter: Michael Schmidt. Foto: Krieger Herr über den Stoppschalter: Michael Schmidt. Foto: Krieger

Wenige sind es nicht, die in der Sportanlage der Stadt Wien ihr Skiparadies vor der Haustür sehen. Bis zu 450 Besucher machen hier täglich ihre mehr oder weniger parallelen Schwünge. Vom Pflugbogerl-Fahrer bis zum Tourengeher, der den 400 Meter langen Schlepplift gleich völlig ignoriert und die Piste flott hinaufstapft, gibt es hier alles. 1986 fand auf der Hohe-Wand-Wiese sogar ein Weltcup-Parallelslalom statt.


"Am Vormittag sind immer die gleichen da, hauptsächlich Pensionisten", erzählt Michael Schmidt, seit 14 Jahren Liftwart an der Hohe-Wand-Wiese. "Ich glaub, die kommen schon seit der Eröffnung her." Und die war schon 1966. Auf Schneekanonen war man hier schon immer angewiesen. Zu Saisonbeginn kurz vor Weihnachten wird drei Tage und drei Nächte durchgehend beschneit.

Anfängerparadies
Am Nachmittag werden dann busweise Kinder zur Hohe-Wand-Wiese gekarrt, die dann meist in Skischulgruppen herumkurven. Wenn die Kleinen den Hang besiedeln, muss Schmidt den Schlepplift weit öfter als sonst anhalten.

Aber nicht nur auf Kinder gilt es Rücksicht zu nehmen. "Beim Aussteigen wissen zwei Skifahrer oft nicht, wer von ihnen den Bügel wegwerfen soll, also versuchen sie es gleichzeitig oder lassen beide nicht aus", erzählt Schmidt. Und dann fahren sie eben ein Stückchen weiter mit dem Lift mit als gedacht.

"Mit der Zeit sieht man den Leuten schon vorher an, ob sie fähig sind oder nicht", sagt Schmidt, während er am Geschwindigkeitsregler dreht. Vor ihm hat ein wacklig dastehender Skifahrer gerade zwei Mal vergeblich nach einem vorbeiziehenden Bügel gegriffen. "Wer am Stand schon wegrutscht, wird auch den Bügel nicht erwischen", kommentiert der Experte. Als der Fahrer dann endlich das Plastik sicher unterm Hintern hat, fährt Schmidt vorsichtig wieder an.

Dreizehn-Stunden-Tag
Wenn er müde wird, stellt er sich kurz an die frische Luft und bedient den Lift von dort. Und müde zu werden ist keine Kunst bei einem 13-Stunden-Tag. Von 10 bis 21 Uhr ist die Piste offen. Ab 9 Uhr Früh wird hergerichtet, nach Betriebsschluss fährt Schmidt noch mit der Pistenraupe, damit am nächsten Tag alles wieder schön glatt ist.

Noch dazu pendelt er jeden Tag vom Burgenland nach Wien. Wenn er heimkommt, ist es oft schon halb eins in der Nacht. Was seine Frau davon hält, dass er so spät nach Hause kommt? "Na, ich weiß nicht, vielleicht ist sie eh glücklich drüber", scherzt er.

Zwar haben die drei Liftwarte, die in einer Schicht arbeiten, nach drei Stunden Dienst eine Stunde Bereitschaft, zu tun ist auf einer Piste aber immer etwas, vom Schneeräumen bis zu Wartungsarbeiten, die auch die Liftwarte machen. "Bei uns hat keiner eine Stunde Zeit zum Ausrasten", erklärt Schmidt. Und so bleiben die voll eingerichtete Küche und der Fernseher im Aufenthaltsraum meist ungenutzt. "Das ist halt der Tagesablauf als Liftwart", meint Schmidt, der eigentlich gelernter Metzger ist.

Zum Job gehört es auch, Verletzte einzusammeln (das Schlimmste bisher: ein offener Schienbeinbruch) und Übermütige unter den Gästen einzubremsen. Probleme gibt es aber selten.

Fährt der Liftwart eigentlich selber Ski? "Hermann Maier bin ich keiner. Aber runterfahren tu ich schon überall", sagt Schmidt nicht ohne Stolz. Das letzte Mal ist er aber vor vier Jahren auf Skiern gestanden, und das am Semmering.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2008-01-04 20:26:19
Letzte Änderung am 2008-01-04 20:26:00

Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Reality-Star lacht zuletzt
  2. Arlene Foster - Theresa Mays Hilfe in der Not
  3. Flüchtlingssohn, der den Frieden sucht
  4. Michel Barnier - Brexit-Verhandler für die EU
  5. Unambitioniert und bar jeder Kontur
Meistkommentiert
  1. Michel Barnier - Brexit-Verhandler für die EU
  2. Heimspiel für Europa
  3. Unambitioniert und bar jeder Kontur
  4. Der Reality-Star lacht zuletzt
  5. Zertifikat "unbedenklich"

Werbung




Werbung