• vom 09.09.2006, 00:00 Uhr

Porträts


Der Polizeichef, der keiner sein will




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Werner Grotte

  • Karl Mahrer ist der "Wiener der Woche".
  • "Polizei ist Klavier mit vielen Tönen."
  • Wien. Ging es in letzter Zeit darum, das angeschlagene Image der Wiener Polizei zu reparieren, stand er in der ersten Reihe: Karl Mahrer, stellvertretender Wiener Landespolizeikommandant, musste unvermutet in zahllosen Medieninterviews zu den Fällen Bakary J., Geiger, Horngacher und zuletzt zu den "Sperrlisten" Stellung beziehen.

"Transparenz nach außen zeigen": Mahrer. Foto: Tanja Plöchl

"Transparenz nach außen zeigen": Mahrer. Foto: Tanja Plöchl "Transparenz nach außen zeigen": Mahrer. Foto: Tanja Plöchl

Ob er als interimsmäßiger Horngacher-Nachfolger nächster Polizeipräsident werden wolle, frage man ihn oft, klagt Mahrer. "Dabei geht das schon rein technisch gar nicht. Dieser Posten ist Akademikern, in der Regel Polizeijuristen, vorbehalten - und ich bin eigentlich ein simpler Streifenpolizist", sagt Mahrer.


Seine Laufbahn startete der heutige Generalmajor beim Heer, "doch dort ist mir bald fad geworden". So ging er - im Einvernehmen mit seiner jungen Ehefrau - 1975 zur Polizei: "Was ich suchte, war ein krisensicherer Arbeitsplatz, der andererseits viel Spannung und Abwechslung bringt. Und beides findet man bei der Polizei", bereut der 51-Jährige seine Wahl nicht. Nach sechs Jahren Funkstreife absolvierte er den Dienstführenden-Lehrgang und wurde Wachkommandant in Ottakring. Es folgte ein zweijähriger Offizierskurs und danach die Berufung als Verkehrsoffizier, Schulungs- und Organisationsreferent und Kommandant der Sicherheitswacheabteilung Hietzing bis 2000.

Sorge um Machtvakuum Bereits in dieser Zeit beschäftigte sich Mahrer intensiv mit Führungs- und Strategiekonzepten, sodass er zunächst Chef der Logistikabteilung und danach Chef der Personalabteilung der Sicherheitswache wurde. Seit April 2005 schließlich ist er Stellvertreter seines nun suspendierten Chefs Roland Horngacher.
"Ich habe ihn bisher tage- und auch wochenweise vertreten, und das tu ich auch jetzt, bis die Sache geklärt ist - nicht mehr und nicht weniger", begegnet Mahrer oft geäußerten Vermutungen, er würde Horngacher bald "beerben".

Dennoch: De facto ist er nun der Chef. Und als solcher "komme ich um sechs Uhr ins Büro und gehe frühstens um 18 Uhr", sagt Mahrer. Die Polizei sieht er "als Klavier, mit verschiedenen Tasten und Tönen, die man richtig spielen muss, um Harmonie zu erzeugen". Privat lebt der gebürtige Wiener mit seiner Familie in einer Randgemeinde im Westen Wiens.

Seine 14-jährige Tochter, nach der italienischen Schauspielerin Valente Caterina getauft, will nicht in Vaters Fußstapfen treten: Sie hat heuer mit einer Touristik- und Gastronomie-Ausbildung begonnen.

Seine spärliche Freizeit nimmt Mahrer sich "blockweise, und dann bin ich ein Genussmensch, mit Liebe zu einem opulenten Abendmahl und hin und wieder einer gute Zigarre".

Derzeit muss er aber mit voller Kraft vor und hinter seiner Truppe stehen: "Nach den jüngsten internen Vorfällen galt es, das Entstehen eines Machtvakuums zu verhindern." Sein Prinzip sei nun, "bestmögliche Unterstützung der Leute in ihrer täglichen Arbeit, aber klare Abgrenzung zu Übergriffen sowie Transparenz bei deren Klärung, wie etwa im Fall Bakary J".

Dass er sich damit intern nicht nur Freunde gemacht hat, ist Mahrer klar: "Aber führen kann man nur mit einer klaren Linie."

Vorschläge für den "Wiener der Woche" schicken Sie bitte an: wdw@wienerzeitung.at



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2006-09-09 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-09-08 18:28:00

Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Michel Barnier - Brexit-Verhandler für die EU
  2. Unambitioniert und bar jeder Kontur
  3. Karin Maria Pfeifer
  4. Gärtner, Dirigent, Minister
  5. Der Reality-Star lacht zuletzt
Meistkommentiert
  1. Michel Barnier - Brexit-Verhandler für die EU
  2. Heimspiel für Europa
  3. Unambitioniert und bar jeder Kontur
  4. Der Reality-Star lacht zuletzt
  5. Zertifikat "unbedenklich"

Werbung




Werbung