• vom 11.09.2009, 14:12 Uhr

Porträts

Update: 18.09.2009, 13:19 Uhr

Charlotte Seidl und das Gut Gasteil

Wunder sind immer möglich




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Von Silvia Matras

  • Charlotte Seidl ist eine Künstlerin ohne Allüren. Sie ist es gewohnt,
  • Widerstände zu überwinden und ihre Visionen mit viel Energie zu realisieren.
  • Ihre Skulpturen strahlen diese Kraft aus.

Mit wenig oder gar keiner Unterstützung viel erreichen, sehr oft unter Hintansetzung der eigenen Interessen und ohne auf gesellschaftliche Bedeutsamkeiten einzugehen, das kann Charlotte Seidl perfekt. Nicht im Alleingang, sondern mit Hilfe ihres tatkräftigen Mannes Johannes, der sie, aus dem Hintergrund bescheiden, aber effizient agierend, in all ihren Ideen unterstützt. Gemeinsam schufen sie in der Einschicht von Prigglitz-Gasteil, in der Nähe der Rax, ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Kunst und Landschaft, nämlich das Kulturgut Gasteil.


1988 übernahm das Künstler-ehepaar das sehr renovierungsbedürftige Gut Gasteil und restaurierte es liebevoll in Eigenregie und mit Eigenkraft. Der mächtige Bau aus Stein aus den Jahren 1920 passt als architektonischer Archetypus gut in die spannungsgeladene Landschaft am Rande von Rax und Semmering. Einmal schweift der Blick über weiche Wiesen und Hügel, dann wieder blockieren ihn Felsenabhänge und dichte Wälder. Nicht umsonst sprechen viele von einer "Zauberlandschaft", die immer schon Künstler angezogen hat. Bis 1991 waren das Atelier, die Galerie und der private Wohnbereich fertig gestellt. Nun mussten sie nicht mehr ihre oft recht großen Skulpturen quer durch Österreich zu diversen Ausstellungen transportieren, weil sie ja im und um das Gut genügend Freiraum für ihre Exponate hatten. So entstand die Idee, das Gut und die 16 Hektar Wiesen und Wald als riesige Ausstellungsfläche für eigene und fremde Kunst zur Verfügung zu stellen. Die "Kunst in der Landschaft" war geboren. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr Fremdobjekte, die in der Galerie und auf den Wiesen ausgestellt wurden. Ihre eigenen Objekte bilden den festen Rahmen um ein variables Bild.

Mit voller Energie und hohem finanziellen Einsatz laden die beiden nun alle zwei Jahre Künstler aus Japan, Südkorea, Italien, Deutschland und anderen Ländern, natürlich auch aus Österreich ein, bei ihnen zu wohnen und ein Werk für diese Landschaft zu schaffen. Im Gegensatz zu früheren Jahren legen Charlotte und Johannes Seidl den Künstlern strenge Auflagen auf: Das Kunstwerk muss licht- und wetterbeständig sein, darf die Umwelt, den Boden und das Grundwasser nicht durch Chemikalien schädigen und muss sich einem Konzept, einem Thema ein- und zuordnen lassen. "Wir verbieten den Leuten auch, Bäume mit Exponaten aller Art zu behängen. Denn wir stellten fest, dass die Bäume nach ein, zwei Jahren eingingen." Eine Erklärung habe sie dafür nicht, sagt Charlotte Seidl.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2009-09-11 14:12:00
Letzte Änderung am 2009-09-18 13:19:00

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