Es war ein ungewöhlicher Jahreswechsel. Wegen der Corona-bedingten Sperre der Lokale ab 22 Uhr feierten in Österreich viele die Silvesternacht daheim im privaten Kreis. Die ungewöhnlich warmen Temperaturen zum neuen Jahr führten in Wien aber auch dazu, dass viele Menschen trotz der Absage des Silvesterpfades in der Innenstadt den Jahreswechsel im Freien feierten. Überschattet war die Silvesternacht in Österreich von der Explosion einer Kugelbombe, die in Niederösterreich für einen Mann tödlich endete.

Die Feiern auf Plätzen in der recht vollen Innenstadt und auch kleinere Demonstrationen verliefen in Wien weitgehend friedlich. Insgesamt sei es ein weitgehend ruhiger Silvesterabend gewesen, lautete eine erste Bilanz der Exekutive noch im Laufe der ersten Nacht des Jahres 2022.

Das Böllerverbot wurde alleredings auch in Wien von vielen ignoriert. Auf Twitter verbreitete Videoaufnahmen zeigten, wie etwa 50 bis 100 Demonstranten mit Musik und Österreich-Fahnen begleitet von der Polizei durch die Innenstadt zogen. Laut Polizei verlief die Demo überwiegend ruhig. In einem Video war allerdings zu sehen, wie ein Mann einem Journalisten die Corona-Schutzmaske herunterreißen.

Neujahrsbaby um Mitternacht in Mödling

Das Neujahrsbaby 2022 kommt aus Niederösterreich. In Mödling war ein Bub besonders pünktlich - um Punkt null Uhr kam Ariz mithilfe einer Saugglocke zur Welt. Die schnellste Spontangeburt meldete das Universitätsklinikum Krems. Selah-Agatha kam in Krems um 0:21 Uhr auf die Welt. Das Mädchen ist das dritte Baby der Mutter. Es wiegt 3.920 Gramm und ist 53 cm lang.

Wenig später, um 0.25 Uhr, brachte im Spital in Zell am See eine 27-Jährige ihr erstes Kind spontan zur Welt. Der Bub heißt Elias. Weitere Neujahrsbabys gab es in Wien, in Feldbach, Hall und in Schwarzach im Pongau. Im St. Josef Krankenhaus in Wien kam um 0.50 Uhr Viktoria (3.730 Gramm) per Kaiserschnitt zur Welt. Sie ist das erste Kind der 36-jährigen Mutter.

Feiern nach und nach gestartet

Als eines der ersten Länder der Welt ist Samoa ins neue Jahr 2022 gestartet. Vor zehn Jahren ist der kleine pazifische Inselstaat nämlich von der östlichen auf die westliche Seite der Datumsgrenze gerutscht. Seither feiert man dort nicht als Letzte, sondern als Erste das neue Jahr, zeitgleich mit Kiribati um 11 Uhr MEZ.

Eine Stunde später folgte Neuseeland. Mit sechs Tonnen farbenprächtigem Feuerwerk vor der imposanten Kulisse der Harbour Bridge und des Opernhauses ist dann um 14 Uhr MEZ Sydney ins Jahr 2022 gerutscht. Heuer waren trotz steigender Corona-Infektionen wieder Zuschauer zugelassen, diese mussten allerdings Tickets dafür kaufen. Das weltbekannte Feuerwerk wurde live im Internet und vom TV-Sender ABC übertragen. Im vergangenen Jahr war das Zentrum Sydneys für Zuschauer komplett gesperrt gewesen.

Nach und nach wanderte 2022 nun in Richtung Westen. Wie die Menschen rund um den Globus feiern, sehen Sie hier in unserer Bildergalerie.

Trotz rekordverdächtigen Corona-Infektionszahlen hat der New Yorker Times Square das Jahr 2022 wieder mit Publikum begrüßt. Um Mitternacht glitt traditionell ein leuchtender Kristallball an einem Fahnenmast herunter und läutete unter dem Jubel Tausender das neue Jahr ein - der sogenannte "Ball Drop".

Das Event auf dem weltberühmten Platz in Manhattan wurde dieses Jahr auf etwa ein Viertel seiner normalen Kapazität begrenzt, nachdem im vergangenen Jahr nur wenige geladene Gäste hatten teilnehmen dürfen. Alle Anwesenden mussten vollständig geimpft sein.

Traditioneller Konfetti-Regen in New York

Die New Yorker Silvester-Traditionen fehlten dabei auch dieses Jahr nicht: Es regnete Konfetti, und durch die Straßen schallte das Lied "New York, New York". Normalerweise kommen jedes Jahr rund eine Million Menschen auf den Times Square, die Party gehört zu den größten Silvesterfeiern der Welt. Millionen Amerikaner schauen die große Show jedes Jahr am Fernseher - dieses Jahr gab es unter anderem einen Auftritt von Sängerin KT Tunstall. Das Großereignis hat seinen Ursprung in der Eröffnung eines neuen Verlagshauses der "New York Times" im Jahr 1904 - die Zeitung feierte dies damals mit einem Silvester-Feuerwerk.

Die Feiern fanden dieses Mal unter dem Eindruck der sich rasch verbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus statt. Zuletzt waren die Infektionszahlen in der US-Ostküstenmetropole sprunghaft angestiegen. Auch die Zahl der Krankenhauseinlieferungen ging nach oben.

3000 Kreuzfahr-Passagiere saßen fest

Knapp 3.000 Kreuzfahrt-Passagiere haben die Silvesternacht wegen Corona ungeplant an Land in Lissabon verbringen müssen. Wegen mehrerer Dutzend Infektionsfälle bei der Besatzung verzögerte sich die Weiterfahrt der "Aida Nova" im Hafen der portugiesischen Stadt bis ins neue Jahr. Die geplante Fahrt zum Betrachten des spektakulären Silvester-Feuerwerks über dem Hafen von Funchal auf der Atlantik-Insel Madeira fiel aus.

Der Lissaboner Hafendirektor sagte der staatlichen portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa, auf der "Aida Nova" seien 52 der 1.353 Crewmitglieder positiv getestet worden. Sie seien in Hotels in Lissabon untergebracht worden, wo sie die vorgeschriebene Isolation absolvieren sollten. Auf dem Schiff seien 2.844 Touristen, unter denen es keinen positiven Fall gebe.

Besucherzahl in Madrid reduziert

Trotz der rapide steigenden Corona-Infektionszahlen hat auch die traditionsreichste Silvester-Massenparty Spaniens in Madrid nach der Zwangspause im vergangenen Jahr wieder stattgefunden. Rund 7.000 Menschen begrüßten auf dem Platz Puerta del Sol dicht gedrängt und bei Riesentrubel das neue Jahr. Wegen der Pandemie war die zulässige Teilnehmerzahl um circa 60 Prozent reduziert worden.

Nennenswerte Einschränkungen gab es sonst in der spanischen Hauptstadt nicht. "Große Restriktionen bringen nichts", hatte Madrids Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso dieser Tage wieder betont. Die Lage in den Krankenhäusern sei total unter Kontrolle.

Die 7.000 Menschen auf dem Platz im historischen Zentrum der Hauptstadt und Millionen vor den TV-Schirmen warteten gespannt auf die entscheidenden Glockenschläge von der Uhr des Madrider Rathausturmes. Der Tradition folgend verspeisten sie dann kurz vor Mitternacht zu jedem der zwölf, alle drei Sekunden hallenden Glockenschläge eine Traube - und dachten dabei an Wünsche für das neue Jahr.

In China hat das Jahr 2022 - anders als 2021 - diesmal wieder mit etlichen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie begonnen. Mehrere Städte sagten Feuerwerke und größere Festlichkeiten ab, darunter Peking, Nanjing und auch Wuhan. Die Infektionszahlen sind zwar im internationalen Vergleich recht niedrig, doch die Fürung in Peking verfolgt eine strenge Null-Covid-Politik und hat etwa die nordwestliche Provinzhauptstadt Xian vollständig abgeriegelt. Sämtliche 13 Millionen Bewohner dürfen ihre Häuser praktisch nicht mehr verlassen. 

Silvester ist für die Chinesen allerdings an sich kein besonders wichtiger Feiertag. Nach ihrem traditionellen Mondkalender beginnt das neue Jahr erst im Februar. Erst dann gibt es normalerweise eine große Reisewelle, wenn hunderte Millionen quer durchs Land ihre Familien besuchen. Diesmal drohen aber wegen Corona erhebliche Reisebeschränkungen.

Ganz andere Sorgen haben unterdessen die Bewohner des Archipels Tonga im Südpazifik. Schon seit Weihnachten warnen die Behörden davor, sich dem Vulkan Hunga Tonga-Hunga Ha'apai zu nähern, der auch zu Silvester wieder Asche und Gas in die Luft speit.

Feier im Vatikan diesmal anders

Auch die Silvesterfeier im Vatikan war heuer anders als sonst: Bei der traditionellen Vesper zum Jahresabschluss im Petersdom war Papst Franziskus zwar anwesend, leitete jedoch die Zeremonie nicht wie üblich. Der Vatikan nannte keinen Grund für den Beschluss des Papstes, der ohne liturgische Gewänder an dem Gottesdienst teilnahm. 

1.100 Kilometer weiter nördlich sprach am Silvesterabend der französische Staatspräsident Emmanuel Macron in Paris seinen Landsleuten Mut und Zuversicht zu:" 2022 wird das Jahr sein, in dem wir die Pandemie hinter uns lassen." Ein vollmundiges Versprechen am Beginn des Jahres, in dem er um seine Wiederwahl kämpft.

Johnson bejubelt den Brexit

Der britische Premierminister Boris Johnson hat den Jahrestag des Brexit-Vertrages mit der EU als Erfolg für sein Land und seine Regierung gefeiert. "Unsere Aufgabe seither war es, die Vorteile des Brexits zu verstärken, sodass wir als modernes, dynamisches und unabhängiges Land erfolgreich sein können", sagte Johnson einer Mitteilung vom späten Freitagabend zufolge.

Großbritannien hatte Ende Jänner 2020 die EU verlassen und war zum 1. Jänner 2021 aus der EU-Zollunion und dem Binnenmarkt ausgetreten. Nach Ansicht auch vieler britischer Experten und Politiker hat dieser Schritt dem Vereinigten Königreich bisher geschadet. (apa/afp/reu/dpa/red)