Wien. 100 Ausstellungen in zehn Jahren: Pünktlich zum Jubiläum widmet sich die Wiener Albertina dem Kernstück des Hauses, nämlich der grafischen Sammlung. 170 Werke niederländischer Meister umfasst die Ausstellung "Bosch Bruegel Rubens Rembrandt", mit der die stilistische wie thematische Vielfalt dieser Größen und ihrer Zeitgenossen in den Fokus gerückt wird.

Die mittels stark kontrastierender Blau-, Grün- und Rottöne gestaltete Schau führt auch die Ende des 16. Jahrhunderts vollzogene Trennung des calvinistisch geprägten Nordens vom von spanischen Habsburgern regierten Süden vor Augen. Trotz des Bürgerkriegs setzte sich aber in beiden Gegenden der künstlerische Höhenflug fort. Eindrucksvoll auch die schiere Anzahl neuer Arbeiten, wurden Schätzungen zufolge in den nördlichen Provinzen im 17. Jahrhundert doch bis zu 70.000 Arbeiten jährlich angefertigt.

Surreale Bilderwelt Bruegels

Neben Rubens ebenso zarter wie liebevoller Porträts seiner Kinder oder den detailreichen Landschaftsbildern sticht besonders eine Intervention mit Brückenschlag zum Jetzt hervor: Der junge belgische Künstler Antoine Roegiers hat sich Bruegels "Sieben Todsünden" angenommen und diese in sieben Videoanimationen übersetzt. Im direkten Gegenspiel mit den Kupferstichen erweckt Roegiers hier die surreale Bilderwelt Bruegels zum Leben, während er für ein großformatiges Werk die Landschaften der "Sieben Todsünden" zusammenfasst, jedoch befreit von den Figuren.

Analyse: Ein Mauerblümchen, das zum Platzhirschen avancierte - Die Grafische Sammlung Albertina ist heute vor allem Heimat von Blockbustern.

Siehe zur aktuellen Ausstellung auch: Anrufung großer Namen - von Manisha Jothady

Information:
"Bosch Bruegel Rubens Rembrandt. Meisterwerke der Albertina" von 14. März bis 30. Juni in der Basteihalle der Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien, tägl. 10-18 Uhr, mittwochs 10-21 Uhr; Katalog zur Ausstellung, Hatje Cantz Verlag, 336 S., 29 Euro;
Link
http://www.albertina.at