Chişinău. Marschmusik, Luftballons und rote Fahnen mit Hammer und Sichel: so zogen tausende Menschen am 9. Mai durch die moldauische Hauptstadt Chişinău. An diesem Tag wird traditionell der Sieg über Nazi-Deutschland gefeiert. Doch die Menschen wollen auch ein Zeichen setzen, dass sie sich als Russen sehen - und mit der EU wenig am Hut haben.

Die pro-russische Bevölkerung macht etwa ein Drittel des ärmsten Landes Europas aus, die Mehrheit sowie die Regierungspartei deklariert sich als pro-europäisch. Die Kommunisten befinden sich in der Opposition, doch wer bei den Parlmentswahlen im Herbst als Sieger hervorgeht, ist ungewiss - und wird den weiteren Kurs des Landes bestimmen, das sich stets um gute Beziehungen sowohl zur EU als auch zu Russland bemüht hat.

Im Juni soll die Republik Moldau ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterschreiben - wie Russland, das in der abtrünnigen Region Transnistrien nach wie vor Soldaten stationiert hat, darauf reagieren wird, ist ungewiss.

Die Republik Moldau ("Moldawien") ist das ärmste Land Europas. Es hat 3,5 Millionen Einwohner, wovon rund 700.000 in der Hauptstadt Chişinău leben - das übrigens nur etwas über eine Flugstunde von Wien entfernt ist. 1992 spaltete sich Transinstriten von Moldawien, der abtrünnigen Region wird seither Autonomie-Status gewährt. Dieser Bericht entstand im Zuge einer Recherchereise mit dem EU-Projekt Eurotours.