Wenn nun die Mozartfeiern einen Höhepunkt erreichen, so sollten wir uns an dieser Stelle auch einmal der Tarockleidenschaft dieses genialen Komponisten und Musikers widmen. Zumindest einen Sommer lang hat Wolfgang Amadeus Mozart fast Tag für Tag Tarock gespielt.

Man schrieb das Jahr 1780 und Mozart war 24 Jahre alt. Der Konflikt mit dem Salzburger Erzbischof strebte einem Höhepunkt zu, und aus München kam der Auftrag, die Oper Idomeneo zu schreiben. Zu dieser Zeit muss ihn irgendjemand mit den Regeln des Tarockspiels vertraut gemacht haben.

Das aus Frankreich importierte Kartenspiel mit eindeutig italienischen Wurzeln hat ihn so begeistert, dass er fast täglich am Kartentisch saß. Dabei war er stets zu Scherzen aufgelegt - wie könnte es auch anders sein?

Aus Ta-Rock wird Hier-Kleid

Irgendwann ist ihm ein lustiges Wortspiel in den Sinn gekommen, das in der Familie und unter Freunden rasch die Runde machen sollte: "Tarock, Darock … Da ein Rock … hier ein Kleid." Damit war im Hause Mozart auf dem Salzburger Makartplatz ein neuer Name für Tarock erfunden: "Hier-Kleid".

Wenn Mozart von nun an Spielpartner sucht, sagt er nur noch: "Wollt ihr Hier-Kleid spielen?" Am Abend schreibt er in Nannerls Tagebuch: "Wir haben Hier-Kleid gespielt …" und zählt penibel seine Spielpartner auf - es waren Freunde der Familie und Mitglieder der Salzburger Musikszene. Oft spickt Mozart seine Eintragungen mit einem Gemisch aus Lateinisch, Französisch und Italienisch: "Wir habemus joues colle carte di Tarock!" (Wir haben mit Tarockkarten gespielt!)

Gstieß als Sonderkarte

Gespielt hat Mozart so wie alle seine Zeitgenossen mit 78 Blatt. Es war ein Tarock zu dritt, der Gstieß diente noch nicht als höchstes Tarock, er war eine Sonderkarte, die man jederzeit einsetzen konnte, um legal die Farbe zu verleugnen. In diesem Fall hat man sich mit "Excusez!" entschuldigt und den Gstieß zu den eigenen Stichen gelegt. Die Gegner mussten sich mit einer wertlosen Karte aus den bereits eingezogenen Stichen abfinden.

In Mozarts Tarock galt das Prinzip: "Jeder gegen jeden!" Wer mehr als ein Drittel der Punkte in seinen Stichen hatte, der bekam die Differenz ausbezahlt, wer weniger als ein Drittel hatte, der musste die Differenz zahlen. Eine Sonderprämie erhielt ein Spieler für den stillen Pagat. Die Ansage "Pagat-ultimo!" war noch nicht erfunden.

Mozart hat um Geld gespielt - auch das können wir dem Tagebuch entnehmen. Dort findet sich nämlich der bezeichnende Satz: "Habe mich bei Tarock entgeldet …"