Weltweit arbeiten Forscher und globale Player daran, Quantencomputer zu entwickeln. Doch wie funktionieren diese Maschinen? Und was kann man mit ihnen machen? Diese Fragen standen in der Diskussionsreihe "Wissen schafft Diskurs" im Zentrum, eine Kernaussage war schnell klar: An Quantencomputer kommen wir nicht mehr vorbei. Sie sind bereits Realität.  

"Auch in Europa steht einer, der schon genutzt werden kann", sagte Nico Einsidler, der als Quantum Ambassador bei IBM an der Produktion solcher Geräte beteiligt ist. Den Quantencomputer könne man teils gratis, teils bezahlt über eine Cloud ansprechen. Aber Quantensprünge seien damit noch fern: "Wir sind noch in den Kinderschuhen. Wir müssen noch drei, vier, fünf Jahre warten." Die Möglichkeit zu haben, die Technik bei der Entwicklung zu gestalten, dass man sich schon sehr früh damit auseineandersetzen kann, das hielt Helmut Leopold vom Austrian Institute of Technology (AIT) für elementar.

Am Podium: Judith Belfkih, Helmut Leopold, Beatrix Hiesmayr, Nico Einsidler und Frank Leymann per Zoom 
- © Screenshot Youtube

Am Podium: Judith Belfkih, Helmut Leopold, Beatrix Hiesmayr, Nico Einsidler und Frank Leymann per Zoom

- © Screenshot Youtube

Der größte Unterschied zu klassischen Computern besteht darin, dass Quantencomputer anders rechnen. Die Rechenwege finden nicht hintereinander, sondern gleichzeitig statt. Außerdem gebe es in der Quantenphysik Dinge, die man aus dem Alltag nicht kenne, so die Physikerin Beatrix Hiesmayr von der Universität Wien. "Dieser Raum hat zwei Türen. Man muss sich entscheiden, durch welche man geht. Diese Systeme, die wir manipulieren, die gehen durch beide. Das ist merkwürdig. Aber wir haben in zigtausend Experimenten gesehen, dass diese Phänomene auftreten. Das bleibt faszinierend. Wir staunen immer noch, dass es sowas gibt." Zwar wisse man nicht, wie die Teilchen das per se machen, aber man könne damit rechnen, es ließen sich leicht Vorhersagen treffen.

Gibt es Gebiete, in denen es notwendig ist, dass Computer eine andere Leistung bringen als die uns gut bekannten? "Optimierung, Maschinenlernen oder in der Chemie beim Werkstofftesten etwa", führte Frank Leymann, Institut für Architektur von Anwendungssystemen, Universität Stuttgart, dazu aus. Mit Quantencomputern könne man viel bessere Ergebnisse als mit klassischen erzielen: "Es lassen sich in einzelnen Schritten wesentlich mehr Werte manipulieren etwa. Viele Algorithmen sind wesentlich schneller als wir es gewohnt sind und man kann vieles präziser lösen." 

Es diskutierten Nico Einsidler (IBM Quantum Ambassador), Beatrix Hiesmayr (Fakultät für Physik, Universität Wien), Helmut Leopold (Austrian Institute of Technology, AIT) und Frank Leymann (Institut für Architektur von Anwendungssystemen, Universität Stuttgart (per Zoom). Die Diskussion wurde moderiert von Judith Belfkih, stv. Chefredakteurin der "Wiener Zeitung".