Der Mensch ist ein Spieler. Immer schon. Spätestens seit dem Buch des niederländischen Kulturhistorikers Johan Huizinga "Homo Ludens: Vom Ursprung der Kultur im Spiel", das 1938/39 erschien, gilt das Spiel als gestaltende Kraft von Kulturen. Es ist neben dem Homo faber und dem homo sapiens ein kulturelles Grundelement.

Am Podium: Walter Hämmerle, Ruth Mateus-Berr und Eugen Pfister  
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Am Podium: Walter Hämmerle, Ruth Mateus-Berr und Eugen Pfister 

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Doch das war nicht immer so, wie Eugen Pfister, Historiker und Politikwissenschaftler, Hochschule der Künste Bern, betonte. Zwar wird das Spielen schon bei Aristoteles erwähnt, aber dessen Rolle war damals eine andere: "Spielen ist da, um sich nach der Arbeit zu erholen. Die Idee der Rekreation wurde in der Menschheitsgeschichte immer wieder hervorgeholt. Das Spiel hat die Menschheit von Anfang an begleitet, doch um die Industrialisierung herum wurde es zum Kinderphänomen - befreit vom Zwang, dass es eine Funktion erfüllen muss." Pfister war gemeinsam mit Ruth Mateus-Berr von der Universität für angewandte Kunst in Wien zu Gast bei der Diskussionsreihe zum Thema Gamification aus der Reihe "Digitaler Humanismus". Walter Hämmerle, Chefredakteur der "Wiener Zeitung", hat das Gespräch moderiert.

"Der Mensch ist beim Spielen ganz bei sich, er kommt zur Selbstentfaltung", ergänzte Ruth Mateus-Berr. Als Kinder kommen wir in einen Flowzustand, aber Erwachsene dürfen nur spielen, wenn es einen Sinn hat, einen Zweck erfüllt - um sich Zeit zu vertreiben oder um Konflikte zu lösen. Dabei verlieren wir aber die Fähigkeit zu spielen. Das scheint in einer durchökonomisierten Gesellschaft samt all ihrer Versuche, der Optimierung wenig überraschend. Auch die Forschung hat einen eigenen Studienzweig, die "Game Studies", etabliert – ist die Wirtschaft hierfür eine treibende Kraft? Im Laufe der Diskussion wurde über den riesigen Spielemarkt gesprochen aber auch über die Rolle von "Mensch ärgere dich nicht", über die Belohnung im Spiel, Montessori-Pädagogik, Regellosigkeit und Wettbewerb. Und warum Leistung und Spiel ist kein Widerspruch ist.

Begrüßung und Einführung: Anita Eichinger,  Direktorin der Wienbibliothek; Martin Fleischhacker, Geschäftsführer der Wiener Zeitung

Podium: Ruth Mateus-Berr, Kunst & Design Erzieherin, Universität für angewandte Kunst Wien Eugen Pfister, Historiker und Politikwissenschaftler, Hochschule der Künste Bern

Moderation: Walter Hämmerle, Chefredakteur "Wiener Zeitung"