• vom 22.11.2012, 16:45 Uhr

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Update: 23.11.2012, 15:28 Uhr

Asylwerber

Der lange Marsch von Traiskirchen nach Wien




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  • Flüchtlinge marschieren am Samstag etwa 30 Kilometer bis zum Asylgerichtshof.

Wien/St. Pölten. Keine Winterjacken, zu geringes Taschengeld, Wohnen auf engstem Raum und Schnellverfahren ohne Berücksichtigung von Fluchtgründen: Asylwerber kritisieren ihre Lebensbedingungen in der Erstaufnahmestelle Traiskirchen und treten nun für die Verbesserung dieser ein.

Für Samstag, 24. November, ist ein Protestmarsch von Traiskirchen in Niederösterreich zum Asylgerichtshof in Wien geplant, um für die Aufnahmestelle "menschenwürdige Bedingungen" einzufordern, so Mitorganisator Hans-Georg Eberl. Die Flüchtlinge treffen einander um 7 Uhr vor der Erstaufnahmestelle, um ab 9 Uhr die knapp 30 Kilometer entlang der Badner Bahn nach Wien zu marschieren. Gegen 17 Uhr soll der Protestzug den Asylgerichtshof in der Laxenburger Straße erreichen. Nach einer Kundgebung wird zum Sigmund-Freud-Park in Wien-Alsergrund weitergewandert, wo vor der Votivkirche ein mehrtägiges Protest-Zeltlager errichtet werden soll.


In Traiskirchen sind rund 1400 Flüchtlinge untergebracht, gerade einmal 276 Personen mehr, als mit dem Land Niederösterreich vereinbart, wie aus der Quotenstatistik vom Donnerstag hervorgeht.

Mit Reduzierung würde Pröll Quote nicht erfüllen
Sollte sich Landeshauptmann Erwin Pröll mit seinem Wunsch durchsetzen, die Belegung Traiskirchens um bis zu 900 Personen zu reduzieren, würde auch Niederösterreich die Quote nicht mehr erfüllen. Zuvor hatte Pröll seine Drohung wiederholt, das Erstaufnahmezentrum sperren zu lassen, sollten die übrigen Bundesländer bis Ende November nicht ihre Zusage auf Aufnahme von Asylwerbern erfüllen. Der Landeshauptmann erklärte sich aber auch bereit, vorübergehend in Traiskirchen mehr als die mit dem Innenministerium vereinbarten 480 Personen aufzunehmen: "Zweifelsohne ist es möglich, in schwierigen Zeiten 100 bis maximal 200 Personen mehr aufzunehmen." Der Ist-Zustand mit fast eineinhalbtausend Flüchtlingen sei jedoch "ganz unmöglich" und "unzumutbar" sagte er in einem Interview mit dem "Standard".

Unangefochten an der Spitze bei der Quotenerfüllung steht indes Wien, das rund 1650 Flüchtlinge mehr unterbringt, als es müsste. Schlusslicht bei der Einhaltung ist unverändert Salzburg, das seine Quote nur zu 77,5 Prozent erfüllt. Den zweitschlechtesten Wert weist mittlerweile Oberösterreich auf, mit einer Quote von 80 Prozent.

Für Samstag wird erwartet, dass 200 bis 500 Menschen den Marsch von Traiskirchen nach Wien antreten werden. Beteiligen wollen sich unter anderem Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan und Somalia. Letztere hatten schon im Oktober ein 50-stündiges Protestcamp vor dem Parlament in Wien errichtet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2012-11-22 16:50:02
Letzte Änderung am 2012-11-23 15:28:02



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