• vom 10.11.2006, 00:00 Uhr

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Restituierte Bilder Gustav Klimts brachen bei New Yorker Versteigerung - wie erwartet - alle Preisrekorde

Die Geldmaschine Klimt




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  • "Adele II" und Geschwisterwerke brachten bei Auktion 151 Millionen Euro.
  • Österreichische Kaufanstrengungen blieben vergeblich.
  • New York/Wien. Einen Rekord-Erlös von 491,47 Millionen Dollar (384 Millionen Euro) und neun Weltrekorde gab es bei der "Impressionismus und Moderne"-Auktion des New Yorker Auktionshauses Christies Mittwochabend. Gleich 192,7 Millionen Dollar (151 Millionen Euro) gingen davon auf das Konto von Gustav Klimt: Für umgerechnet 68,8 Millionen Euro (alle Angaben inklusive Zuschläge) ging das Porträt "Adele Bloch-Bauer II" an einen Telefonanbieter. Damit wird das Gemälde zum fünftteuersten Bild der Welt und erzielte einen neuen Auktionsrekord für den Maler.

Ließ die Leitungen glühen: Um Klimts "Apfelbaum" entbrannte ein Telefon-Bietergefecht. Foto: epa/Justin Lane

Ließ die Leitungen glühen: Um Klimts "Apfelbaum" entbrannte ein Telefon-Bietergefecht. Foto: epa/Justin Lane Ließ die Leitungen glühen: Um Klimts "Apfelbaum" entbrannte ein Telefon-Bietergefecht. Foto: epa/Justin Lane

Ronald Lauder, der im Juni die "Goldene Adele" um 135 Mio. Dollar erworben hatte, kaufte das Gemälde "Berliner Straßenszene" von Ernst Ludwig Kirchner um 38 Millionen Dollar für seine "Neue Galerie" in New York - ein neuer Rekordpreis für Kirchner. Mit 40,3 Millionen Dollar erzielte auch Paul Gauguins Gemälde "Lhomme à la hache" einen Künstlerrekord.


Alle von Österreich restituierten und nun von den Bloch-Bauer-Erben eingebrachten vier Klimt-Gemälde fanden weit über ihren Schätzpreisen Käufer: Umgerechnet 31,6 Millionen Euro erzielte das Bild "Buchenwald", 25,9 Millionen Euro das Bild "Apfelbaum I", um das am Telefon ein Bietergefecht entbrannte.

Um 24,6 Millionen Euro erwarb eine Frau im Saal die "Häuser in Unterach am Attersee". Die Klimt-Gemälde genossen die höchste Aufmerksamkeit der Auktion: Der Zuschlag für "Adele II" erhielt langen Applaus, danach begann sich der Saal bereits zu leeren.



Maria Altmann: "Erfreut und geehrt"
Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann zeigte sich nach der Auktion hoch erfreut, "dass die wertvollen Gemälde ein neues Zuhause gefunden haben". Sie fühle sich sehr geehrt, dass so viele Menschen teilgenommen hätten. Sie vertraue darauf, dass die neuen Eigentümer die Tradition ihrer Tante Adele und ihres Onkels Ferdinand Bloch-Bauer weiterführen würden, mit den Bildern zu leben und die Freude daran auch mit anderen zu teilen. Meldungen über einen möglichen 25-Prozent-Preisnachlass für österreichische Käufer hatte sie vor der Auktion als "Gerücht" zurückgewiesen.



"Unterach": Zu teuer für Österreich
Von den drei Werken Egon Schieles, die angeboten wurden, erzielte das Gemälde "Häuser mit Bergen" mit 17,5 Millionen Euro einen neuen Schiele-Auktionsrekord. Schieles "Kniender Halbakt nach links" wechselte für 8,7 Millionen Euro den Besitzer, "Zwei Mädchen auf einer Fransendecke" für 4,3 Millionen Euro.

Laut Christies kamen die Bieter beinahe zu gleichen Teilen aus den USA und Europa, nur vier Prozent waren Asiaten. "Es war die außergewöhnlichste Auktion, die ich je in meiner langen Karriere miterlebt habe", resümierte Christies-Auktionator Christopher Burge den Abend, bei dem der bisherige Auktionsrekord (von Sothebys New York im Mai 1990: 286 Millionen Dollar) um mehr als 200 Millionen Dollar übertroffen wurde: "Heute wurde Geschichte geschrieben."

Nur: Mit schlechtem Ausgang für Österreich. Seit Monaten hatte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl versucht, das Bild "Häuser in Unterach am Attersee" für Österreich zu erhalten. Und bis zuletzt vergeblich: In den nun erreichten Preishöhen konnte jener US-Investor nicht mithalten, mit dem Leitl kooperierte. "Hier wurden budgetäre Grenzen bei weitem überschritten", bedauerte der WKO-Chef.

Das angesprochene US-Unternehmen, das sich in Österreich niederlassen will, um von hier aus seine europäischen Aktivitäten zu betreiben und zu koordinieren, habe seit Frühjahr die Absicht gehabt, eines der Bilder zu erwerben und es einem österreichischen Museum auf Dauer als Leihgabe zur Verfügung zu stellen, erklärte Leitl. Auch von der Regierung und Bundeskanzler Schüssel seien die Bemühungen unterstützt worden.



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Dokument erstellt am 2006-11-10 00:00:02
Letzte Änderung am 2006-11-09 17:21:00

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