• vom 19.12.2006, 18:28 Uhr

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Update: 19.12.2006, 18:29 Uhr

Schwerarbeiter müssen weiter warten




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  • Sozialministerium nach wie vor säumig.
  • Arbeiterkammer veröffentlicht Liste betroffener Berufe.
  • Grüne: Regelung ist "absoluter Pfusch".
  • Wien. Obwohl die Schwerarbeiterregelung mit 1. Jänner 2007 in Kraft tritt, hat das Sozialministerium bisher keine entsprechende Berufsliste öffentlich bekannt gegeben. Nun ist die Arbeiterkammer (AK) mit dem Ergebnis der zuständigen Arbeitsgruppe an die Öffentlichkeit gegangen: In einer Berufsliste sind für Männer 55 und für Frauen 103 Tätigkeiten als Schwerarbeit angeführt, darunter Bau- und Holzarbeiter, Tätigkeiten in der Metall- und Bergbaubranche sowie in Gesundheitsberufen.

Die Schwerarbeiterregelung bringt Personen mit besonders belastenden Tätigkeiten die Möglichkeit, schon mit 60 Jahren und begünstigten Abschlägen von 1,8 Prozent jährlich in den Ruhestand zu treten. Voraussetzung dafür sind 45 Versicherungsjahre und dass die Schwerarbeit während zehn der letzten 20 Jahre vor dem Pensionsantritt geleistet wurde.


Die in der AK-Liste genannten Berufe gelten als besonders belastend, da sie einen Arbeitskalorienverbrauch von 2000 bei Männern beziehungsweise von 1400 bei Frauen überschreiten. Tätigkeiten, die in dem Papier nicht aufscheinen, können trotzdem Schwerarbeit sein und sind daher von den Pensionsversicherungsanstalten entsprechend zu prüfen. Das ist etwa Arbeit bei extremen Temperaturen oder unregelmäßige Nacharbeit.

Die Pensionsversicherungsanstalten sollen anhand der AK-Liste die Pensionsanträge prüfen. Jene Tätigkeiten, bei denen die Gutachten zu keinem Ergebnis führen, werden in einer Kommission beurteilt.



Für Frauen erst 2010
Die AK begrüßt die "positiven Aspekte" der Regelung, kritisiert jedoch, dass es für Frauen bis 2010 keine Schwerarbeitspension gibt und diese im Gegensatz zur Hacklerregelung nicht abschlagsfrei sei. Bemängelt wurde weiters, dass Schwerarbeiter, die vor dem 60. Lebensjahr in eine Invaliditätspension gehen, keine Begünstigung erhalten. Die Meldepflicht der Dienstgeber sei ebenfalls "sehr unbefriedigend geregelt". Auch der ÖGB fordert "dringend" Änderungen bei der Schwerarbeitsregelung.

Für den Grünen Sozialsprecher Karl Öllinger bedeutet die Tatsache, dass die AK eine Liste herausgegeben hat, "dass die Sozialministerin schon längst abgedankt hat." Die gesamte Regelung sei ein "absoluter Pfusch". Er kündigte in dieser Causa eine parlamentarische Anfrage an.

BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz konterte, die Regelung sei ein "Meilenstein in Richtung Gerechtigkeit". Und das Sozialministerium verwies darauf, dass die AK-Liste keine Bindungswirkung habe und nicht endgültig sei. Es handle sich lediglich um einen Arbeitsbehelf. Das Ministerium selbst habe am Dienstag eine Liste an die Träger verschickt.

Die gesamte Liste der AK finden Sie online in einem Schwerarbeiter-Dossier



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2006-12-19 18:28:48
Letzte Änderung am 2006-12-19 18:29:00

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