• vom 18.01.2007, 17:27 Uhr

Archiv


Kurz vor seinem 70er: Philip Glass Oper "Orphée" feiert am 21. Jänner am Linzer Landestheater ihre Premiere

Vertrauensbasis in Linz geschaffen




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Ernst Scherzer

  • Sonntag hat Philip Glass Oper "Orphée" am Linzer Landestheater Premiere.
  • Der amerikanische Komponist im "WZ"-Gespräch".
  • Linz. Als im Vorjahr Dante Anzolini in Vertretung des erkrankten Chefdirigenten Dennis Russell Davies die "Symphony No. 8" von Philip Glass anlässlich der europäischen Erstaufführung durch das Bruckner Orchester diese mit Bruckners "Vierter" kombinierte, vermeinte man eine klangliche Verwandtschaft herauszuhören.

Beim Kurzbesuch in Linz des amerikanischen Komponisten, der am 31. Jänner seinen 70. Geburtstag feiert, drängte sich die Frage danach geradezu auf - die "Wiener Zeitung" bekam eine teilweise verblüffende Antwort. So habe sich in den 1950er Jahren, als Glass zu komponieren begonnen hat, niemand in den Vereinigten Staaten Anton Bruckner angehört, erzählt Glass, er wäre fast nicht aufgeführt worden.


"Wir waren damals in Chicago drei, vier Freunde, die sich viele seiner Symphonien angehört haben. Mein Leben lang hatte ich nicht den Eindruck, dass ich aus dieser Musik etwas gelernt hätte. Aber wenn ich das Bruckner Orchester Bruckner spielen höre, denke ich doch, dass mehr davon an mir hängen geblieben ist, als mir damals bewusst wurde", meint der Komponist.

Impulse durch die Art kirchlich inspirierter Musik, wie sie Bruckner komponiert hat, seien allerdings bei den studentischen Tourneen durch Frankreich, die Glass als Organist unternahm, gegeben worden.



Oper mit Orgelklang
Er sei kein Wissenschaftler und könne das deswegen nicht belegen, doch sein "Eindruck ist, dass Bruckners Musik sich stark an der Orgel orientiert. Ich selbst habe erst zehn Jahre nach diesen Erfahrungen - und durch Dennis Russell Davies beeinflusst - begonnen, Symphonien zu schreiben. In meiner Oper ,Satyagraha habe ich dann bewusst versucht, den Orgelklang mit einzubeziehen."

Die Einspielung seiner sechsten Symphonie mit dem Bruckner Orchester Linz unter Dennis Russell Davies erhielt soeben von der deutschen Fachzeitschrift "Fono Forum" die höchste Bewertung, die Achte mit denselben Interpreten liegt ebenfalls vor.



Szene voller Egomanen
Wo ist eigentlich die dazwischen liegende Siebente geblieben? "Zunächst empfinde ich die Parallelität der Einspielungen meiner Symphonien und jener von Anton Bruckner durch Dennis als Glücksfall. Meine ,Symphony No. 7 hat Leonard Slatkin, ein Studienkollege von Dennis Russell Davies, mit dem National Symphony Orchestra in Washington uraufgeführt", erzählt Glass.

"Dennis würde Slatkin gerne nach Linz einladen, um mit seinem Orchester eine Aufnahme dieses Werkes zu machen. Das sagt eine Menge über seinen Charakter im Gegensatz zu anderen Dirigenten, die tödlich beleidigt wären, wenn einer aus dieser Perlenreihe eine herausnehmen würde. Die professionelle Dirigentenszene ist voll von Egomanen - Davies gehört nicht dazu!"

Ihm hat er viel zu danken: Dennis Russell Davies hat als Leiter der Dirigentenklasse an der Salzburger Musikuniversität Mozarteum vor knapp fünf Jahren die österreichische Erstaufführung von "Orphée" in die Wege geleitet; unter Davies als Linzer Opernchef kommt es nun auch dort heraus.

Bei "The Voyage" war er nicht nur der Dirigent der Uraufführung an der Metropolitan Opera New York 1992, sondern dirigierte es auch zehn Jahre später an seiner heutigen Wirkungsstätte.



Weitere Pläne mit Davies
"Mit der jetzt auf CD erschienenen Linzer Produktion von ,The Voyage wurde eine Art Vertrauensbasis geschaffen. Für die Sicht auf einen Komponisten kann die Aufnahme seiner Opern extrem wichtig sein, ebenfalls für die Entwicklung des Repertoires.

Andere Produzenten haben damit die Chance, sich dieses Stück anzuhören und nicht nur die Noten vor sich zu haben. Der ,Orphée soll ebenfalls eingespielt werden und es gibt weitere Pläne mit Dennis . . . "

Die Oper "Orphée" von Philip Glass feiert am 21. Jänner 2007 am Landestheater Linz Premiere; Karten unter 0732/76 11-0; www.landestheater-linz.at



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2007-01-18 17:27:24
Letzte Änderung am 2007-01-18 17:27:00

Werbung




Werbung