• vom 26.08.2006, 00:00 Uhr

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Gerd Nachbauer, Intendant der Vorarlberger Schubertiade, vor der zweiten Festival-Hälfte im "WZ"-Gespräch

"Wir bleiben in Schwarzenberg"




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Von Andreas Bischof

  • Zweite Tranche der Schubertiade beginnt am Samstag.
  • Der Intendant über schmälere Programme, Ausfälle - und dennoch Gewinn.
  • "Wiener Zeitung":Die Kulturszene ist derzeit mehr von der Debatte um Subventionen beherrscht als um Kunst. Ihr Festival kommt ohne Subvention aus. Sehen Sie auch die Zukunft subventionslos?

Gerd Nachbauer: Wie ich die Zukunft sehe? Fragen Sie mich bitte wieder, wenn sie vorbei ist! Tatsache ist, dass, auch wenn wir schlechter verkauft sind oder höhere Kosten wegen teurerer Projekte haben, die Schubertiade für die lokale Wirtschaft immer noch ein Geschäft bleibt und diese deshalb entsprechendes Interesse an der Schubertiade haben wird, da wir an den Saisonrändern zusätzliche 50.000 Besucher bringen.

Der Umstand, dass der Juni-Teil der Schubertiade nächstes Jahr nur elf statt 16 Tage dauern wird, bewirkt bereits, wie ich höre, einige Aufgeregtheit. Der Grund ist der, dass wir den Hänger, den es bei zwei durchgehenden Wochen unvermeidbar oft gibt - so dicht kann man in unserem Bereich gar kein Programm machen -, diesmal durch höhere Konzentration vermeiden wollen.


Sie haben Schwarzenberg von 93 Konzerten im Vorjahr auf heuer 66 zurückgefahren. Ist das eine Kapazitätsverlagerung zum von Ihnen wiederbelebten Hohenems? Soll es letztlich Schwarzenberg ersetzen?

Die höhere Konzertanzahl der Vorjahre resultiert aus Sonderveranstaltungen. Das hat zwar neues Publikum gebracht, sich aber letztlich nicht gerechnet. In Hohenems haben wir inzwischen 40 Konzerte gemacht, wobei wir aber nicht durchgehend spielten, sondern einmal im Monat auf ein Wochenende konzentriert. Die Auslastung war unterschiedlich. Liederabend-Fans kommen nicht wegen eines einzelnen Liederabends, auch wenn es in Deutschland Städte gibt, in denen die "Winterreise" oder die "Schöne Müllerin" vielleicht schon jahrelang nicht mehr zu hören waren. Die kommen nach Schwarzenberg, wo sie in ein bis zwei Wochen ihren "Jahresbedarf" decken können.

Einerseits hat es noch nie so viele Sänger gegeben, die Liederabende singen wollen, andererseits werden aber deren Auftrittsmöglichkeiten immer weniger - und dies eigenartigerweise vor allem im deutschsprachigen Raum, aus dem das "deutsche Lied" kommt. Seit 1994 wurde Schwarzenberg sukzessive aufgebaut, seit 2001 haben wir nach Errichtung diverser Zubauten ideale Saalverhältnisse und ein bei Künstlern und Publikum gleichermaßen beliebtes Umfeld. Die internationale Presse zählt den Angelika-Kauffmann-Saal zu den besten in Europa. Der Standort ist international eingeführt - wer glaubt, dass ich da etwas ändern möchte, schätzt mein Engagement für Schwarzenberg völlig falsch ein. Die Schubertiade bleibt in Schwarzenberg.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2006-08-26 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-08-25 19:13:00

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