• vom 15.07.2006, 15:56 Uhr

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Trauer um Toni Böhm




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Von WZ Online

  • Der Schauspieler Toni Böhm ist im Alter von 57 Jahren in seinem Hotelzimmer im niederösterreichischen Reichenau verstorben. Sein Tod wurde am Freitag erst kurz vor Vorstellungsbeginn entdeckt, nachdem Böhm nicht zur Aufführung erschienen war.

Toni Böhm war vieles, vor allem aber eine Säule des Volkstheaters, dem er seit 1979 angehörte. Ebenso war er am Theater an der Josefstadt, bei den Salzburger Festspielen, dem Schauspielhaus Wien oder dem Berliner Ensemble tätig.


Böhm wurde am 3. Juli 1949 in Salzburg geboren und absolvierte das Reinhardt-Seminar in Wien. Nach dem Beginn seiner Theaterkarriere am Schauspielhaus Graz wurde das Wiener Volkstheater unter Emmy Werner ab 1979 zu seiner künstlerischen Heimat. Dort war er u. a. in den Rollen Malvolio ("Was ihr wollt"), Tesmann ("Hedda Gabler"), in der Titelrolle von Cyrano de Bergerac oder als Titus Feuerfuchs in Nestroys "Der Talisman" zu sehen.

Aber auch in Werken von Elfriede Jelinek und Thomas Bernhard, der Sandor-Marai-Bühnenadaption "Die Glut", "New York New York" von Marlene Streeruwitz oder als Habakuk in Raimunds "Alpenkönig und Menschenfeind" überzeugte Böhm als vielfältiger Schauspieler. Neben dem Volkstheater stand Böhm auch u. a. bei den Vereinigten Bühnen Graz, an der Freien Volksbühne Berlin, am Schauspiel Frankfurt und am Schauspiel Bonn, beim Berliner Ensemble, den Salzburger Festspielen, im Schauspielhaus Wien und dem Theater in der Josefstadt auf der Bühne.

Der Schauspieler war ebenso in zahlreichen und vielfältigen Fernsehproduktionen zu sehen, u. a. in "Kaisermühlenblues", "Alpensaga" und "Julia" zu sehen. Er war Radiohörern auch als Stimme des "Ö1"-Reise-Magazins "Ambiente" bekannt. Gleich zwei Mal, 1994 und 2005, hat Böhm den Karl Skraup-Preis entgegen genommen. Bei den sommerlichen Festspielen in Reichenau war Böhm ein gern gesehener Gast, der u. a. in Thomas Bernhards "Alte Meister", Nestroys "Umsonst" oder Stefan Zweigs "Schachnovelle" zu sehen war.

Nachrufe

"Seit Jahrzehnten hat kein anderer Schauspieler das Gesicht des Volkstheaters so unverwechselbar geprägt wie Toni Böhm. Sein plötzlicher Tod hinterlässt uns alle ratlos. Toni, wir können dich nicht ersetzen. Aber wir müssen versuchen weiterzuspielen. Für dein Publikum. Und für dich", so Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg.

"Österreich hat einen seiner größten Menschendarsteller verloren. Toni Böhm war ein Grenzgänger zwischen Tragik und Komik, der es stets verstanden hat, große Gefühle beim Publikum auszulösen. Auch bei seinen komischen Rollen konnte einem das Lachen im Halse stecken bleiben; eine Fähigkeit, die nur große Komiker besitzen. Unverwechselbar auch seine Stimme im Radio; mit dem Reisemagazin "Ambiente" hat Toni Böhm dem Sonntagvormittag eine Stimme gegeben, die uns fehlen wird", meinte der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

"Er war ein großer, leider zu leiser Star, dessen Genialität der höchsten Weihen würdig gewesen wäre - zum Beispiel des Nestroy-Rings. Dafür ist es leider wieder einmal zu spät", sagte die frühere Volkstheater-Direktorin Emmy Werner. "Ich durfte Toni Böhm 25 Jahre lang künstlerisch begleiten."



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2006-07-15 15:56:20
Letzte Änderung am 2006-07-15 15:56:00

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