• vom 01.07.2006, 00:00 Uhr

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Dominique Mentha über Luzern und seine Wiener Vergangenheit

Spät entdeckte Heimat




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Von Ernst Scherzer

  • Erfolgreich in Luzern: Dominique Mentha nach Volksopern-Ära zufrieden.
  • Der Theatermann im "WZ"-Gespräch.
  • Luzern. Die Wiener Volksoper siegte zuerst: Nicht nur das Haus am Gürtel, auch Luzern hatten einst bei Dominique Mentha angefragt. Doch der gebürtige Berner entschied rasch: Er mied die Schweiz seit seinen Studienjahren als Sänger - ebenso wie später als Assistent, Regisseur und Theaterleiter. Vor dem Wiener Direktorium (1999 bis 2003) war der jetzt 51-Jährige Intendant des Tiroler Landestheaters Innsbruck.

Im zweiten Anlauf fühlte er sich vom erneut werbenden Luzerner Theater aber angesprochen: "Was die wollen, hat mich interessiert. Und es war gut, dass ich mich nach der Wiener Volksoper für etwas Kleineres entschieden habe - ohne den Stress administrativer Tätigkeiten. Dazu kam die Möglichkeit einer alljährlichen gemeinschaftlichen Produktion mit dem hiesigen Leuchtturm Lucerne Festival, nicht zuletzt die Flexibilität durch öffentliche Verkehrsmittel. Wenn Sie von hier nach Basel oder Zürich wollen, brauchen Sie nicht länger als von einem Wiener Außenbezirk ins Burgtheater!"


Die zweite Saison seiner zunächst auf fünf Jahre festgelegten Luzerner Direktion hat Mentha mit einer deutlich gestiegenen Auslastung und einem ausgeweiteten Spieltageangebot zu Ende gebracht. Erfolgreich verlief zuletzt nicht nur die Uraufführung der Kammeroper "Gramma" von José M. Sánchez-Verdú, sondern auch der vom Hausherrn inszenierte "Oreste" von Georg Friedrich Händel, dessen Aufführungsserie einen Tag nach der Premiere bereits ausverkauft gewesen sei.

Auch den kommenden Spielplan hat der Verfechter eines Ensembletheaters, der einen nicht eben enormen öffentlichen Zuschuss von 20 Millionen Schweizer Franken erhält, interessant und abwechslungsreich gestaltet: zum Beispiel mit dem wiederenteckten "Montezuma" von Antonio Vivaldi und Moritz Eggerts 2004 in Mannheim uraufgeführtem Sing- und Tanzspiel "Die Schnecke" mit einem Text von Hans Neuenfels.



"Wiener werden lachen"
"Barockoper, Mozart, Zeitgenössisches lässt sich gut machen, und natürlich die Operette. Die Wiener werden lachen, wenn sie hören, dass ich dabei gerne selbst Regie führe. Mein Schweizer Humor ist dort wohl weniger gut angekommen" meint Mentha.

Anderes aus Österreich findet er nicht so komisch: "Etwas von den Politikern derart schlecht Vorbereitetes wie das in Linz geplante Musiktheater wäre in der Schweiz nicht denkbar." Und schon vor der Bestellung des Volksoperndirektors ab 2007, wunderte sich Mentha, dass jetzt am Wiener Gürtel "Turandot" gespielt wird, wo man ihm eine "Traviata" verwehrt hatte. Ob und wie man an diesem Haus die Operette pflegen wolle, sei eine ästhetische Frage: "Ich habe das Gefühl, man hat sich keine Gedanken gemacht, was man mit dem Haus will."



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Dokument erstellt am 2006-07-01 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-06-30 18:12:00

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